Tier & Mensch e.V.
Fortschritte in der Agrarwende
Photo:E.Ulich
Zwar nicht so schnell wie gehofft, aber doch stetig wächst der Anteil der Ökobetriebe in Deutschland. Dies geht aus dem Agrarbericht 2003 hervor, den Ministerin Renate Künast am 4.2.03 vorstellte. Die Zahl der Biobauern wuchs im Jahre 2002 um mehr als 15% und beträgt jetzt 14 700. Das sind aber immer noch weniger als 3,5% aller landwirtschaftlichen Betriebe in Deutschland. Auch die ökologisch bewirtschaftete Fläche nahm um 15,4% zu und beträgt jetzt 644 000 ha.
Angesichts diese Fortschrittes kann man die Agrarwende keinesfalls als „gescheitert“ bezeichnen, wie es manche Politiker der Opposition formulieren. Und wenn Ministerpräsident Stoiber die Bauern zum „Widerstand“ aufruft, so ist das geradezu ein Versuch, die Entwicklung zu einer gesunden Landwirtschaft zu boykottieren.
Das weiter anhaltende Höfesterben (wieder mussten ca. 4% aller Betriebe schließen) kann man unmöglich der Agrarwende anlasten. Das Gegenteil ist der Fall. Denn in ökologisch betriebenen Landwirtschaften werden vergleichsweise mehr Arbeitskräfte benötigt als in konventionellen Betrieben.
Zwei Problemen steht die ökologische Landwirtschaft gegenüber.
a) Die Dumpingpreise bei Lebensmitteln. Die Billigläden verkaufen oft weit unter Einstandspreis. Auf diese Weise werden die Verbraucher noch stärker dazu verführt, Massenware minderer Qualität, die aus umweltschädigendem Pflanzenbau und tierquälerischer Massentierhaltung stammt, zu kaufen. Diese Niedrigpreise führen dazu, dass die Bauern den Preisdruck durch zunehmende Massenproduktion ausgleichen wollen. Überproduktion ist die Folge.
b) Das im vorigen Jahr eingeführte BIO-Siegel bedeutet zwar einen Fortschritt, es erfüllt aber nur Mindestanforderungen. Oft stammen die Produkte mit BIO-Siegel aus osteuropäischen Billiglohnländern, wo der korrekte Anbau möglicherweise noch weniger überwacht wird als bei uns. Auch diese Erzeugnisse sind noch vergleichsweise billig gegenüber denen der altbekannten Verbände wie BIOLAND, DEMETER, NATURLAND, GÄA, die sehr viel strengeren Richtlinien unterliegen . Solche Waren findet man hauptsächlich in Naturkostläden und Reformhäusern. Sie sind zwar teurer, aber jeder, der guten Willens ist, kann sich das leisten. Bedenken wir: Im Durchschnitt verbrauchen wir nur noch 13% unseres bverfügbaren Einkommens für Lebensmittel! Früher waren es mal 35%.
Der Verein „Tier & Mensch“ unterstützt die Bemühungen der Ministerin Künast, eine Agrarwende herbeizuführen. Die BSE-, Nitrofen-, Hormonskandale der letzten Monate haben gezeigt, dass es höchste Zeit ist, wieder zu einer gesunden Landwirtschaft zurückzukehren.
Ernst Ulich (März 2003)
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