Tier & Mensch e.V.
Schweineleben zunehmend im Würgegriff der Industrie

Glückliche Schweine gibt es bald nur noch im Bilderbuch. Mit der Ausrede, bei einem Wildschwein sei die Schweinepest aufgetreten, wurde im ganzen Land Nordrhein-Westfalen für Schweine Stallpflicht für mindestens zwei Jahre vorgeschrieben. Der Schweinepestverdacht stellte sich zwar als falsch heraus, aber die Stallpflicht soll bleiben. Gleichzeitig will man durch Aufkäufe kleine Bestände mit unter 20 Tieren ausradieren.

Die Schweine-Industrie mit ihren Folterställen dagegen verbucht Erfolge: In Thüringen (Alkersleben) wurde einem holländischen Unternehmer der Bau einer Schweinefabrik mit 5000 Muttersauen und 22 500 „Tierplätzen“ genehmigt. Jährlich sollen von dort ca. 150 000 Ferkel zur Mast weiterverkauft werden. Wen vertritt eigentlich der deutsche Bauernverband, wenn er frohlockt, es sei „ein guter Tag für die Landwirtschaft“, und die Verbraucher könnten nun „frische Produkte aus der Region“ erhalten? 

Der deutsche Markt ist allerdings schon längst gesättigt. Doch die Schweine-Industrie hofft auf einen lukrativen Exporthandel nach China. Und die deutsche Regierung hilft dabei! 

Was aber bleibt in der Region? Gestank, Gülleertränkte Äcker, Nitrat im Grundwasser, massive Verkehrsbelastung und Höfesterben. Und Millionen von zeitlebens gequälten Schweinen.

Auch der der Gen-Konzern Monsanto rückt dem Schwein auf den Leib: Er hat bestimmte Abschnitte des normalen Schweine-Erbgutes entschlüsselt und beschrieben und schon 2005 zum Patent angemeldet. Das Patent EP 165 1777 wurde 2008 erteilt. Am 15. April 09 endete die Einspruchsfrist beim Europäischen Patentamt in München. Eine Aufsehen erregende Protest-Demonstration (alle Zeitungen berichteten davon!) fand zu diesem Anlass vor dem EU-Patentamt in München statt. Ob das noch was nützt? Immerhin hat sich Landwirtschaftsministerin Aigner inzwischen für ein Verbot solcher Praktiken geäußert. 
K.Ulich (Juni 2009)

Infos: Genethisches Netzwerk, Greenpeace

Brandenburg fördert Großmastanlagen
Brandenburg, Sachsen und Thüringen fördern als einzige Bundesländer „gewerbliche Unternehmen mit flächenloser Tierhaltung", das sind also Tierfabriken.

 „Wer die ‚flächenlose Tierhaltung’ fördert, will die Industriemast. Und das mit allen Konsequenzen für Mensch, Tier und Umwelt. Das ist unverantwortlich. Wer die Landwirtschaft industrialisiert, vernichtet Arbeitsplätze im ländlichen Raum." So Cornelia Behm, Bundestagsabgeordnete der Grünen. 

Aktuelle Statistiken des Bundes zeigen, dass in den vergangenen Jahren insbesondere viele kleine landwirtschaftliche Betriebe die Schweinemast komplett eingestellt haben. Während die Zahl der Mastbetriebe sinkt, steigt die Größe der Schweinebestände in den Ställen. Und Brandenburg gehört zu einer Spitzenreitergruppe: Während in deutschen Ställen durchschnittlich 367 Schweine stehen, sind es in der Mark 772 . 

„Die Förderung treibt also Blüten. Besonders fatal ist, dass nicht nur Brandenburger Landwirte durch die Industriemast vom Markt gedrängt werden. Denn der Handel mit Schweinen ist nicht nur regional organisiert. Auch ihre Berufskollegen in anderen Bundesländern oder im Ausland können durch den verzerrten Wettbewerb nicht mehr mithalten und geben auf." sagt Behm.

Der besondere Skandal ist: Die Förderung der flächenlosen Tierhaltung müssen diese Bundesländer ausschließlich aus ihren eigenen knappen Haushaltsmitteln zahlen, da weder EU noch Bund Gelder dafür zur Verfügung stellen. In Brandenburg ist die Förderung im Entwicklungsplan für den ländlichen Raum Brandenburgs und Berlins bis 2013 verankert. 

Quelle: PRESSEMITTEILUNG der Grünen, 23. 1. 09
Vom Landwirtschaftsminister zum Schweinefabrikanten
Er heißt Helmut Rehhahn, ist Mitglied der SPD und war bis 1996 Landwirtschaftsminister. Nun reist er in Sachen Schweinemast im Auftrag des niederländischen Großinvestors Harry van Gennip durch die östlichen Lande. Sein Motto: “Neues Leben in alten Ställen“.
Wie sieht dieses „Leben“ aus? Bis zu 85.000 Tiere in „hermetisch abgeriegelten, von Hunden bewachten Hochsicherheitstrakten“ vegetieren unter Dauerdämmerlicht dahin. Jedem Mastschwein wird ein Platz von 0,5m² eingeräumt. Acht Großanlagen mit insgesamt ca. 500.000 Tieren sind allein in Sachsen-Anhalt und Brandenburg in Betrieb oder geplant. Solche „Megafabriken“ sind bisher in der ganzen EU einmalig. In den Niederlanden ist das natürlich verboten. Aber die leerstehenden ehemaligen LPG-Anlagen, in denen zu DDR-Zeiten auch schon bis zu 150.000 Schweine gemästet wurden, fordern die Tierfabrikanten geradezu heraus, auf Kosten der gequälten Kreaturen ihr Geld zu machen.
Kein Wunder, dass sich nun in einigen der betroffenen Gemeinden der Widerstand organisiert. Es bilden sich Bürgerinitiativen, die mit Hilfe des BUND das Schlimmste zu verhindern suchen. Sie fürchten die Verpestung der Luft durch Ammoniakdunst, die Versäuerung des Bodens durch die riesigen Mengen an Gülle, die Zerstörung der letzten noch bestehenden kleinbäuerlichen Betriebe, die Überlastung der Straßen. Für die projektierte Anlage in Mahlwinkel (80.000 Plätze) z.B. sieht das so aus: Je 30 LKW-Fahrten pro Woche für Futter und für die Schlachttiere, 100 Fahrten für die Gülle und täglich eine LKW-Tour zum Abtransport der Kadaver von vorzeitig verreckten Schweinen.
Und wozu der ganze Wahnsinn, fragen wir Herrn Rehhahn, der ja mal Landwirtschaftsminister war und es wissen müsste? Leiden wir etwa an Fleischmangel, an Unterernährung? Ist Schweinefleisch zu teuer? Quälen wir noch nicht genug Tiere in den Massenbetrieben? Haben wir etwa überflüssige wertvolle Pflanzennahrung, die wir an Masttiere verfüttern müssen? Gibt es noch zu viele kleine Bauern in Deutschland? Ist unsere Natur noch nicht genug zerstört? Die Antwort kann sich jeder selbst ausdenken.
Ernst Ulich, März 2006
(Quelle: DER SPIEGEL Ausg.:6/06)
Arbeitsplätze in der Schweinemast ?
Wenn die politisch Verantwortlichen und die Befürworter der Schweinemastanlage Haßleben schon die entstandenen und mit Sicherheit neu entstehenden Schäden an unseren Lebensräumen ignorieren, sollten sie wenigstens volkswirtschaftlich und sozial über den Tellerrand unserer Region blicken. Die Informationen, die am Projekt beteiligten Fachleute und Investorenberater bei der frühzeitigen Bürgerbeteiligung den betroffenen Einwohnern gaben, waren subjektiv, im wesentlichen sachlich falsch oder fragwürdig. Sie dienten nur dem Zweck, mit Hilfe der äußerst bedrückenden Arbeitslosigkeit das privatwirtschaftlich gewinnträchtige Unternehmen durchzusetzen. Alles, was dem im Wege stand, wurde heruntergespielt oder ausgeblendet.
Die Schaffung von Arbeitsplätzen ist das Totschlagargument, das keine ernsthaften Bedenken duldet. Dabei vernichten große fast automatisierte Fleischerzeugungsfabriken Arbeitsplätze im bäuerlichen Gewerbe im großen Stil. Das sollten vor allem die Landwirte begreifen, die ihre meist unterhalb der Ackerkrume schon hoch belasteten Flächen zur Begüllung wieder zur Verfügung stellen. Sie ermöglichen damit erst die Niederlassung des neuen Schweinemastbetriebes. Die noch 1993 als Hochlastflächen bezeichneten Flächen dürften im Sinne des neuen Bodenschutzgesetzes überhaupt nicht mehr begüllt werden.
Wenn es sich herumspricht, dass im traditionellen Urlaubergebiet des Altkreises Templin eine Anlage mit 84.000 Schweinen entsteht, deren Gülle überwiegend in den Quellgebieten der Erholungsgewässer auf 7.500 ha über Straßen auf die Felder gebracht wird, kostet das mit Sicherheit mehr Arbeitsplätze und Verdienstmöglichkeiten als die im Projekt vorgesehenen 50 Arbeitsplätze einbringen. Vom Wertverfall der Grundstücke in den betroffenen Dörfern ganz zu schweigen. Zum Vergleich : Das alte SZM Haßleben begüllte kurzzeitig hochbelastend nur die Hälfte der Flächen, fast ohne Straßennutzung. Futter und Brennstoffe kamen über den Bahnanschluss, nur das Schlachtvieh wurde im LKW abtransportiert.
Die neue Anlage wird alles über den Straßenverkehr abwickeln ! Noch im Jahr 1999 war die Schweinehaltung in Deutschland trotz der vielen kleinen Massentierbestände in Niedersachsen, Schleswig-Holstein und Bayern überwiegend in bäuerlich-gewerblicher Hand. Damals hielten 141.500 Betriebe rund 6 Millionen Schweine (184 Tiere pro Betrieb). Heute zeichnet sich in Ostdeutschland eine erneute Phase der Konzentration der Schweinemast ab. Unter dem Aspekt und Vorwand, in strukturschwachen Gebieten Arbeitsplätze zu schaffen, werden von den neuen Bundesländern aus im Verdrängungswettbewerb Tausende von Arbeitsplätzen in der deutschen Landwirtschaft vernichtet. Im Jahr 2003 mussten bereits 7.200 Landwirte ihre Schweinehaltung aufgeben. Das sind 6,7 % in einem Jahr ! (siehe „Uckermarkkurier“ vom 06/07.03.2004). Auch bei uns werden z.B. die Landwirte in Beenz ihre Ferkelaufzucht einstellen müssen. Es entfallen 5 Arbeitsplätze. Zur Zeit sind uns der Betrieb und der Betriebsbeginn von folgenden Großanlagen, Tierplätzen und Investoren bekannt:
Lodersleben / Querfurt 95.000 (Beginn 2005) Gebrüder Nooren
Haßleben 84,300 (Beginn 2004) van Gennip
Nordhausen 60.000 (in Betrieb) van Asten
Neuheim/ Jüterbog 16. 700 (Beginn 2004) Rülander / Schemmink
Sandbeiendorf / Altmark 65.000 (in Betrieb) van Gennip
Mahlwinkel /Altmark 80.000 (neu genehmigt) van Gennip (7 km Abstand voneinander!)
Die Aufzählung ist sicher noch nicht vollständig, zeigt aber, was sich abspielt. Der Name van Gennip taucht auch innerhalb eines holländischen Konsortiums im Zusammenhang mit Schweinemastanlagen in Weißrußland und der Ukraine auf. Dr. Rehhahn, früherer Landwirtschaftsminister Sachsen-Anhalts, ist Unternehmensberater für die Anlagen Lodersieben, Haßleben und Mahlwinkel. In Westdeutschland wären derzeit Anlagen mit so hohen Tierbeständen trotz der löchrigen Gesetze nicht genehmigungsfähig. Keine Verwaltung könnte es wagen, solche Projekte zuzulassen. In Mecklenburg-Vorpommern wurden 21 Schweinemästereien mit bis zu je 15.000 Tierplätzen geplant, z.T. schon genehmigt. Etliche scheiterten an den sich wehrenden Bürgerinitiativen. Diese werden z.Z. länderübergreifend koordiniert.
Es sind überwiegend Niederländer, die sich in Ostdeutschland und in Osteuropa mit z.T. gigantischen Schweinemastprojekten niederlassen. In den Niederlanden zahlt man wegen der schweren Umweltschäden bereits Ablösegelder zur Einstellung bzw. Verlagerung der Produktion. In Westpolen hat sich der Konzern Smithfieldt Foods niedergelassen, der in den USA nur noch ein Mitarbeiter für 5.000 Schweine beschäftigt (zum Vergleich: Haßleben ein Mitarbeiter für 1.700 Schweine). Dort ruinierte er in Nordkarolina in 20 Jahren fast 25.000 Familienbetriebe.
Seit Jahren nimmt die Gewerkschaft BAU (Bau-Agrar-Umwelt) gegen die industrielle Tierhaltung Stellung, Sie hat begriffen, dass hier eine Arbeitsplatzvernichtungsmaschinerie läuft. Es kommt darauf an, diese zu stoppen und die Tierhaltung wieder dem bäuerlichen Gewerbe zu überlassen. Das schafft dauerhafte Arbeitsplätze und schont die Umwelt.
18.08.2005 Nachtrag:
In Mahlwinkel will Herr van Gennip mit seinem Unternehmensberater Dr. Rehhahn jetzt 86.000 Schweinetierplätze unterbringen, das bedeutet, dass 151.000 Tierplätze faktisch auf einem Standort konzentriert werden. Außerdem soll 40 km nördlich von Sandbeiendorf/Mahlwinkel entfernt in Plätz bei Goldbeck eine Schweinemastanlage mit 85.000 Tierplätzen errichtet werden. Das sind in einer Entfernung von 40 km 236.000 Tierplätze.
Weitere Informationen unter : www.kontraindustrieschwein.de

Ernst Pries, 17268 Templin, Tel.: 03987-2934 (Mai 2005)
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