Tier & Mensch e.V.

Bioanbau - Seehofers Stiefkind
Er leugnet es zwar, aber die ökologische Landwirtschaft leidet in Deutschland massiv darunter, dass sie seit dem Regierungswechsel aufs Abstellgleis entsorgt wurde.
So befürchtet der Vizepräsident des Bayerischen Einzelhandels, Hans-Jürgen Bönsch, dass falsche Bio-Produkte in den Läden auftauchen könnten, was eine Katastrophe wäre: Denn "soviel Bio, wie im Moment angefordert wird, kann gar nicht erzeugt werden"! 
Da in den Supermärkten Bio weiterhin auf dem Vormarsch ist, fühlt sich die Bio-Branche wie auf dem Pulverfass. Der Umsatz von Bio-Produkten ist 2006 um 18%, 2007 um 15% gestiegen - eine Zunahme, von der andere Sparten nur träumen können.
Auch Gerald Wehde, Leiter des Fachbereichs Agrarpolitik bei "Bioland" klagt: "Wir verschlafen einen Mega-Boom!"
Nach dem Regierungswechsel gab es einen Stopp der Fördergelder für Bauern, die von konventioneller Landwirtschaft auf biologische umstellen wollten. Die Folge war eine Stagnation, weil eine Umstellung zu einem unkalkulierbaren Risiko wurde. 
Als dank der politischen Weichenstellung zur "Agrarwende" unter der Landwirtschaftsministerin  Künast der Bio-Boom begann, hatten die Bio-Flächen um zehn bis sogar 20% jährlich zugenommen. Doch seit 2004 beträgt der Flächenzuwachs nur knapp 2,5% im Jahr.
Dabei waren die gestrichenen Fördergelder nicht einmal hoch mit 200,-Euro pro Hektar. Insgesamt fließen insgesamt jährlich 8 Milliarden Euro in die Landwirtschaft, nur 2% davon kommt dem ökologischen Landbau zugute. In anderen europäischen Ländern bekommen Biobauern deutlich bessere Prämien.
Wehde machte in einem Interview mit der Schwäbischen Zeitung auch auf die immensen volkswirtschaftlichen Kosten und Schäden aufmerksam, die als Folgen der "konventionellen" Landwirtschaft entstünden. Alleine schon die durch Billig-Angebote provozierte Fehlernährung verursache  Gesundheitsschäden, die in Deutschland jährlich Kosten von etwa 70 Milliarden Euro verursachten. 
Selbst die Welt-Ernährungs-Organisation (FAO) hat in einer Untersuchung festgestellt, dass konsequente ökologische Landwirtschaft in Industrieländern, aber auch in Entwicklungsländern die Versorgung der Bevölkerung verbessern würde - bei gleichem finanziellem Aufwand! Nicht zu vergessen den Aspekt des Umwelt-, Natur- und Trinkwasser- und Seuchenschutzes.
 Seehofer, aber auch seine Länderkollegen und die rührige Kanzlerin wollen nichts von alledem wissen: Sie preschen vor ins Zeitalter der China-Versorgung mit Schweinefleisch und Milchprodukten aus Massentierhaltungen und sorgen dafür, das der Einzug der genmanipulierten Feldfrüchte eine biologische Landwirtschaft in Deutschland für die Zukunft ausschalten wird. 
So wird Deutschland zum Tummelplatz  internationaler Großkonzerne.
Karin Ulich
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