Tier & Mensch e.V.

Brieftaubensport -

eine gewinn- und prestige-bringende Tierquälerei
In den Diskussionen innerhalb der Tierschutz- und Tierrechtsorganisationen findet man kaum Beiträge über die Brieftauben. Diese haben sozusagen keine schlagkräftige Lobby bei Tierschützern und -rechtlern. In Deutschland werden etwa 10 Millionen Brieftauben von Züchtern in Verschlagen gehalten. Der „Brieftaubensport" hat offensichtlich Konjunktur: Es gibt rund 60.000 Züchter, die in ca. 8.000 Vereinen ihrem „Hobby" nachgehen: Tauben werden Hunderte von Kilometern entfernt von ihren Verschlagen ausgesetzt (der sogenannte Auflass) in der Hoffnung, dass sie zu ihren Standorten zurückfinden. Diese „Sporttreibenden" kalkulieren einen Verlust von etwa 30% der „aufgelassenen" Tauben ein: Verfliegen, Greifvögel, Verletzungen durch Überlandleitungen, Antennen usw. Andere schließen sich den Stadttauben an. Die Züchter selbst sind auch sehr häufig gar nicht daran interessiert, entkräftet aufgefundene Tauben zurückzunehmen, da sie sich nicht „bewährt" haben. Ein Auszug aus den entsprechenden Kommentaren der Taubenhalter: Kein Interesse mehr - nützen uns nichts mehr - flugunfähige Tauben sollte man töten -Ring herschicken, den Rest verwerten.
Bei diesem sogenannten Sport wird vom Züchter die sprichwörtliche Treue der Tauben zu ihren Partnern und Jungen ausgenutzt: Es wird davon ausgegangen, dass die Tauben bestrebt sein werden, nach dem Aussetzen möglichst rasch in ihre Umgebung zu ihren zurückgelassenen Artgenossen zurückzufinden. Der Stress der Tiere wird als vernachlässigbare Größe angesehen, der nicht in Rechnung gestellt werden muss. Dieses ist auch durchaus folgerichtig, geht man von dem Gedankengut dieser „Liebhaber" aus: Die Brieftaube ist ein durch Züchtung zu verbesserndes Sportinstrument, das der Mensch benutzt, um seine züchterischen Mitstreiter/Konkurrenten zu übertrumpfen. Was dem einen edles Rennpferd, ist dem ändern seine Brieftaube. Ethische Aspekte sind hiernach fehl am Platze.
Die Tierschutzvereine sind aufgefordert, auf die Politik einzuwirken, die - wenn schon diese Art Sport nicht verboten werden kann, eine Forderung, die parallel aufrechterhalten werden sollte -übelsten Auswüchse juristisch zu verfolgen, also z.B.
- Haltung in engen Verschlagen
- Auseinanderreißen der Taubenpaare
- Nicht-Zurücknehmen entkräftet aufgefundener Tauben
- extensive Nachzucht
Die Taube, Symbol des Friedens, ist in unserer Gesellschaft zur „Ratte der Luft" mutiert, der ein artgerechtes Leben nicht zugestanden wird.
Manfred Schlüter
(Quelle: PAKTe. V., 5/05)
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