Tier & Mensch e.V.

Neues von der EU-Politik
1. Hühnermast-Richtlinie verschärfen!
Die EU-Richtlinien des letzten Jahres tragen mit zum erschreckenden Bauboom von neuen Maststallen für Hühner und Mega-Schlachthöfen bei. Die Richtlinie mit dem irreführenden Namen zum »Schutz von Masthühnern«, legitimiert   schlimmste Haltungsbedingungen und die Qualzucht der Tiere. Ein Hintertürchen, die Richtlinie zu verbessern, ist geblieben, denn sie sieht vor, dass neue wissenschaftliche Erkenntnisse zu einer Verschärfung der Mindeststandards führen können. Das „wissenschaftliche Gremium für Tiergesundheit und Tierschutz" (AHAW) der Europäischen Lebensmittelsicherheitsbehörde (EFSA) hat nun zwei aktuelle Gutachten über das Wohlbefinden von Masthühnern und von Masthuhnzuchttieren (Elterntieren) veröffentlicht und ist zu weitreichenden Schlüssen im Sinne des Tierschutzes gekommen. Darin hat die EFSA festgestellt, dass bei den bislang üblichen Zuchtlinien Skeletterkrankungen und Probleme wie Knochenverformungen, Lahmheit, Hautentzündungen und plötzlicher Herztod vorprogrammiert sind, weil man in den letzten Jahrzehnten durch genetische Auswahl das Wachstum der Hühner um das Vierfache beschleunigt hat. Solche Zuchtformen erfüllenden Tatbestand der Tierquälerei und müssen verboten werden.
Bei den Elterntieren kommen schwere, dauerhafte Leiden hinzu, weil diese Tiere durch entsprechende Zuchtauswahl niemals satt werden und daher von ständigem Hungergefühl gequält werden, ihre Fütterung jedoch stark beschränkt werden muss, um die Tiere auch noch nach Erreichen der Geschlechtsreife lebens- und zeugungsfähig zu halten. Bei Futtergaben, die den Hunger der Elterntiere stillen, würden sie - wie ihre Jungen nach einiger Zeit unter ihrem eigenen Gewicht zusammenbrechen.
 
2. Anmeldung aller Obstsorten
Von der EU-Bürokratie droht neues Ungemach: Ab 2013 wird vorgeschrieben, dass jede Obstsorte, die verkauft wird, kostenpflichtig beim Bundessortenamt angemeldet werden muss. Das würde das Ende Tausender alter regionaler Obstsorten bedeuten und zu einem Kahlschlag im Angebot führen, denn es lohnt sich für Baumschulen nicht, ca. 60 € für eine seltene, alte Sorte zu bezahlen, von denen sie nur einige wenige Bäume verkaufen. Unter anderem Food-Watch und der Baden-Württembergische Landwirtschaftsminister Köbele setzen sich dafür ein, dass Bundesministerin Aigner Ausnahmen für private Obstbaumwiesen gewährleistet, damit die genetische Vielfalt erhalten bleibt. Allein 600 Apfelsorten sind in Deutschland bekannt. Die Richtlinie gilt beispielsweise auch für Kirschen-, Pflaumen-, Birnen-, Trauben-, Pfirsichsorten. So kommen die großen Saatgutkonzerne ihrem Ziel, über das Nahrungsangebot zu herrschen, immer näher.
3. Ungesunde Nahrung bleibt geheim
Ärzte, Verbraucherschützer und Gesundheitsorganisationen haben europaweit für die Lebensmittel-Ampel gekämpft; Spielend leicht sollten die Verbraucher an den Ampelfarben grün, gelb und rot erkennen können, ob der Fett-, Zucker- oder Salzgehalt eines Produktes gesund oder ungesund ist. Doch die mächtige Ernährungsindustrie, die EU-weit jährlich 965 Milliarden € umsetzt, hat was zu verbergen und bekämpfte erfolgreich den sinnvollen Plan. Der Lobby-Kampf gegen die Ampel war ihr immerhin eine Milliarde Euro wert! Sie hat erreicht, dass am Ende zu viele EU-Parlamentarier gegen die Ampel stimmten. Auch auf Länderebene bleibt die Ampel tabu. Mitverantwortlich ist die deutsche Bundesregierung, die als Diener der Industrie zulasten der Gesundheit ihrer Bürger gestimmt hat. Wer weiß, was die umgekippten Abgeordneten zum Dank zu futtern kriegten! Nun wird in trockenen Zahlen in Gramm und Millilitern der Gehalt an problematischen Inhaltsstoffen angegeben. Die Industrie weiß, dass kaum einer daraus die notwendigen Schlüsse ziehen wird: Eine Studie hat ergeben, dass eine Ampel 95% der Bevölkerung richtig interpretieren würden, die Inhaltsangaben jedoch weniger als die Hälfte. Und das ursprüngliche Ziel, den hohen Prozentsatz von 60% Obergewichtigen in Europa zu reduzieren, bleibt ein Wunschtraum.
4. Besatzdichte bei Masthühnern
Auch die momentan zulässige Besatzdichte bei Masthühnern von bis zu 39 oder sogar 42 kg - also über 25 Hühner  pro Quadratmeter Stallfläche - ist viel zu hoch, da Tiere bewegungslos dicht aneinander gedrängt leben müssen. Das AHAW-Gremium hat im Jahr 2000 festgestellt, dass das gleichzeitige Ruhen schon bei 19 Tieren je Quadratmeter gestört ist und dass oberhalb einer Besatzdichte von 20 Tieren ernste Probfeme mit dem Wohlbefinden nicht mehr zu vermeiden sind.
Bitte helfen Sie und fordern Sie die zuständigen EU-Kommissare Ciolos und Dalli zum Handeln auf! Die Richtlinie muss gründlich überarbeitet werden. In Ihrem Schreiben können Sie darauf verweisen, dass die EU in Art. 13 des EU-Arbeitsweisevertrages Tiere als fühlende Wesen anerkannt und versprochen hat, den Erfordernissen ihres Wohlergehens künftig in vollem Umfang Rechnung zu tragen.
Postanschrift: Dacian Ciolos, Kommissar für Landwirtschaft Mitglied der Europäischen Kommission B-1049 Brüssel
K .Ulich (September 2010)
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