Tier & Mensch e.V.

Zur Mast von Enten und Gänsen
Arme Dab-Dab!
Nur wenige Gänse und kaum Enten leben “auf der grünen Wiese“, wo sie Gras weiden. Zugang zu Bächen, Teichen oder Seen ist für die Wassertiere aber selbst in Freilandhaltung nur äußerst selten möglich, obwohl sie in natürlicher Umgebung den größten Teil ihrer Zeit im Wasser, schwimmend und tauchend, verbringen würden. Denn sie ernähren sich am Grund des Gewässers durch Gründeln nach Wasserpflanzen und Wasser dient auch der wichtigen Gefiederpflege. Das Angebot an Entenfleisch stammt für den deutschen Durchschnittsverbraucher
flächendeckend fast ausschließlich aus Massentierhaltung: Deutsche Massenställe liefern in Vertrags-Lohnmast für Großfirmen etwa 50% der Mastenten, der Rest wird importiert. Dank Billigstpreisen wurde der Verbrauch in 10 Jahren um 22% gesteigert! Für diese Billigmast sind mehr als 5000 Tiere in einer Halle zusammengepfercht, denn der Gewinn pro Tier beträgt nicht mehr als etwa 2 m² – die Masse erst sorgt für ein lohnendes Geschäft! Da fertig eingerichtete Einheitsställe in die ganze Welt exportiert werden, ist die Lage für die Tiere fast überall gleich. Das Schlimmste für die Wasservögel ist dies: Enten und Gänsen in Intensivhaltungen stehen nur Nippeltränken zur Verfügung. Das Wasser kommt nur tröpfchenweise – die Wasservögel sitzen Zeit ihres Lebens auf dem Trockenen! Das führt zu entzündeten Augen und verstopften Nasenlöchern. Wasser ist essentiell wichtig zur Gesunderhaltung und Gefiederpflege! Der Boden besteht bei Küken aus Drahtgitter oder Lochblechen, die schmerzhafte Entzündungen an den Füßen verursachen können. Ab einem Alter von ca. 3 Wochen hält man sie meist auf Streu, die nach kurzer Zeit kotverschmutzt ist, oder auf Lattenrosten. Enten, vor allem „Flugenten“, werden unter furchtbaren Schmerzen verstümmelt: Teile der hochsensiblen Schnäbel werden abgeschnitten, um gegenseitige Verletzungen durch Aggressionen zu verhindern, die dem Stress der unnatürlichen Haltung entspringen. Denn für „Flugenten“ (richtig: Moschusenten), auch „Barbarieente“ genannt, ist die Haltung besonders furchtbar: Sie leben in der Natur nur in sehr kleinen Gruppen und haben ein ausgeprägtes Revierverhalten, können es also, (im Gegensatz zu Pekingenten) nicht ertragen, mit vielen Artgenossen zusammen zu leben. Dennoch zwingt man bis zu 9 dieser bis 4,5 kg schweren Tiere auf einen qm, in der Regel 35 kg /qm! Die tierfeindlichen Lebensbedingungen verursachen Stress und eine große Krankheitsanfälligkeit, der mit Medikamenten begegnet wird.
Die grausige Realität in diesen Standardställen wurde mehrfach dokumentiert und im Fernsehen der Öffentlichkeit gezeigt: In oft dunklen Masthallen drängeln sich Tausende, darunter kranke und sterbende Tiere, auf verwesenden toten Artgenossen wird herumgetreten.
Die von Stockenten abstammenden Pekingenten werden nach nur 7 Wochen Intensivmast geschlachtet. Etwa 6 Tiere müssen auf einem Quadratmeter zusammenleben (meist 20 kg /qm), ca.6000 in einem Stall! 85% der Gänse kommt aus dem Ausland, von den 15% deutschen Gänsen stammt etwa die Hälfte aus intensiver Stallhaltung. Sie werden als „Frühmast“- oder „Hafermastgänse“ vermarktet. Teilstücke stammen, wie auch bei Enten, meist von Stopfgänsen, die in Ungarn oder Frankreich zur Gewinnung von Fettleber extrem gefoltert werden.
Rechtslage:
Es gibt in Deutschland keine spezielle Haltungsverordnung für Wassergeflügel. Aber das Tierschutzgesetz schreibt artgerechte Haltung vor. Danach müssen Tiere ihren Bedürfnissen entsprechend ernährt und untergebracht werden, und es dürfen den Tieren keine unnötigen Leiden und Schäden zugefügt werden. Aber die Zustände sind katastrophal! Viele Millionen Enten und Gänse werden ständig gequält! Es ist auch gerichtlich bestätigt worden, dass die Intensivmast tierquälerisch genannt werden darf, (nach einem Rechtstreit zwischen Bund Naturschutz und der Entenmast-Firma Gepro). Es sind Fälle aufgedeckt worden, wo selbst Kontrollen durch Halter unregelmäßig nur alle paar Tage statt finden, Veterinärämter kümmern sich meist nicht um die Missstände und lassen den Schlendrian laufen. Sie vernachlässigen ihre Pflicht, den Tierschutz und hygienische Zustände durchzusetzen. Sie dulden maßloses Unrecht. Auch die neue Regierung sieht keinen Handlungsbedarf: Das neue deutsche Landwirtschaftsministerium erklärt, eine spezielle Haltungsverordnung für Mastenten sei nicht nötig! (Anfrage von ARD, 12/2005)
Dabei gibt es seit 1999 eine für alle EU-Länder verbindliche Vorschrift zur Entenhaltung. Sie verlangt, dass Enten und Gänse zur Erhaltung ihrer Gesundheit und zur Vermeidung von Verhaltensstörungen Auslauf, Platz zur Fortbewegung, Einstreu, Gegenstände zur Beschäftigung und Badegelegenheit haben müssen. Es muss wenigstens die Gelegenheit gegeben sein, den Kopf unter Wasser zu tauchen und sich das Wasser über Hals und Körper zu schütten. Duschen, die Lobbyisten als Ersatz vorschlagen, um Kosten zu sparen, sind kein artgerechter Ersatz, wie Untersuchungen bewiesen haben, denn das typische Badeverhalten kann dadurch nicht angeregt und ausgeübt werden. Die EU-Empfehlung ("Empfehlungen des ständigen Ausschusses des Europäischen Übereinkommens zum Schutz von Tieren in landwirtschaftlichen Tierhaltungen vom 7.2.2000") wird nicht, wie es erforderlich wäre, in nationales Recht umgesetzt.
Das schwärzeste Kapitel der Geflügelmast: Enten- und Gänsestoffleber (Foie gras)
2005 hat das Französische Parlament die Stopfmast einstimmig zum Kulturgut des Landes erklärt, womit der Tierschutz ausgehebelt wird. Die Ausübung dieser „Kultur“ sieht so aus: Opfer sind in erster Linie Enten, zu einem kleinen Teil Gänse. In der Zeit der Endmast nach etwa 12 Wochen Weidehaltung wird Enten und Gänsen drei bis vier Wochen lang durchschnittlich dreimal täglich Futterbrei per Hand, aber auch maschinell mit einer hydraulischen Pumpe über ein Metallrohr direkt in den Magen gestopft oder gar hineingepumpt. Das lässt Massenabfertigung zu.
Das Futter besteht aus Maisbrei und Fett, und ist angereichert mit Salz, um die Tiere zum Trinken zu zwingen. Täglich wird jedem Tier rund ein Drittel seines Körpergewichtes in den Magen gestopft, was zu unvorstellbaren Schmerzen und schwerer Krankheit führt. Bei den ersten Stopfvorgängen wirkt man auch mit Tranquilizern (Schlafmitteln) der Panik entgegen, die durch entsetzliche Schmerzen und Angst entsteht. Sie würde bei vielen Tieren zum Tode führen. Die Überlebenden werden in engen, dunklen Verschlägen untergebracht. Was würde aus einem 60 kg schweren Menschen werden, der täglich 20 kg fettige Nahrung eingetrichtert kriegt, bis seine Leber 10 kg wiegt? Nun, es würde ihm kaum besser gehen als den Enten und Gänsen! Die Speiseröhre wird durch das Rohr verletzt, diese oder der überdehnte Magen platzt bei etlichen Tieren. Die kranke, verfettete Leber drückt auf die Lunge und verursacht schwere Atembeschwerden, Kreislaufstörungen machen den Tieren zusätzlich zu schaffen. Aus fröhlichen jungen Tieren werden dahin siechende sterbende Geschöpfe. Die Schlachtung erfolgt kurz vor dem zu erwartenden Massensterben, wenn die Tiere Erstickungsanfälle haben und nicht mehr stehen können.
Jahr für Jahr werden viele Millionen Enten und Gänse derart für den Europäischen Markt misshandelt. 90% der Stopfmast findet in Frankreich statt, aber auch in Ungarn, Bulgarien und Israel wird sie praktiziert. In Deutschland werden Enten und Gänse zwar nicht gestopft, denn nach unserem Tierschutzgesetz ist es verboten, einem Tier Futter darzureichen, das dem Tier erhebliche Schmerzen, Leiden oder Schäden bereitet. Dennoch ist Deutschland eines der wichtigsten Importländer für Stopfleber und Geflügelleberpasteten, denn die Einfuhr ist leider erlaubt.
Weitere Produkte: Daunen: Lebendrupfung ist die Regel (z.B. in Ungarn), es ist eine furchtbare Tierquälerei! Schmerzen, und Todesangst führen zu Panik, die Tiere frieren erbärmlich und eine große Zahl stirbt nach der Tortur durch Kreislaufversagen.

Vorsicht!
Der Aufdruck „Kontrolliert“ auf der Ware sagt also nichts aus! Wirklich kontrolliert auf Einhaltung der Richtlinien wird nur bei den BIO-Anbauverbänden! Die Art der Mast steht nicht auf Etikett! Sogar zwangsgemästete Stopfgänse und Enten werden als Teilstücke (z.B. Brust, Schenkel) oder als Frühmast- oder Hafermastgänse und -Enten meist aus Ungarn oder Frankreich importiert! Sie müssen das empörende Unrecht nicht hinnehmen!
Das können Sie tun:
- Kaufen Sie kein Geflügelfleisch, wenn Sie die Haltung nicht persönlich gesehen haben!
- Wählen Sie zumindest Produkte aus der Haltung anerkannter deutsche Bio-Verbände (Demeter, Bioland) oder von "NEULAND" einem Markenzeichen, das für artgerechte bäuerliche Haltung steht.
- Verlangen Sie von unserer Regierung, dass die Empfehlungen des Europarats zur Haltung von Wassergeflügel umgehend in deutsches Recht umgesetzt werden (s.o.!)
Adresse:
Minister für Ernährung, Landwirtschaft und Verbraucherschutz
Herrn Horst Seehofer
Wilhelmstr. 54, 10117 Berlin

Karin Ulich Februar 06
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