Tier & Mensch e.V.
Gen-Food für Europa?
"Die Gentechnologie hat die allgemeine Ethik mehr verschlechtert, als dass sie irgendjemandem geholfen hätte". (Erwin Chargaff)
Foto: Günther Martin
Kennzeichnungspflicht ab 18.April 2004 EU-weit!
Aber: Gentechnisch veränderte Lebensmittel müssen gekennzeichnet werden
Was in den USA und Kanada schon lange erlaubt war, soll nun auch in den EU-Ländern gestattet sein: gentechnisch manipulierte Nahrung. Die Europäer konnten dem massiven Druck der Amerikaner nicht länger widerstehen. Am 02.07.03 verabschiedete das Europaparlament die Verordnung zum "Novel-Food". Allerdings - und das ist zumindest ein Trost - müssen alle Lebensmittel, die wenigstens einen Anteil von 0,9% gentechnisch veränderter Substanzen enthalten, an der Verpackung erkennbar sein. Übrigens, und das ist sehr wichtig, gilt diese Richtlinie auch für Futtermittel in der Nutztierhaltung.
Es hängt nun also weitgehend von uns Verbrauchern ab, ob wir uns an der Vergewaltigung und Zerstörung der Natur beteiligen wollen oder nicht.
Ganz so sauber sind wir aber schon lange nicht mehr. Denn das Sojamehl, das in der konventionellen Landwirtschaft dem Kraftfutter beigegeben wird, kommt aus Nord- und Südamerika und ist seit Jahren weitgehend gentechnisch verseucht. Sojaschrot und Tiermehl sind die wichtigsten und billigsten Eiweißquellen. Da seit der BSE-Krise Tiermehl im Futter verboten ist, hat sich die Einfuhr von Soja noch vergrößert. Unsere Bio-Bauern aber dürfen nur einheimische Futtermittel verwenden, deshalb müssen die Erzeugnisse entsprechend teuer sein.
Die Mehrheit der Verbraucher in Deutschland lehnt Gen-Food ab. Nach den letzten Umfragen haben nur 22% keine Bedenken. In den USA ist man sehr viel sorgloser. Noch sind nachteilige Folgen wissenschaftlich nicht erwiesen. Aber weiß man, wie sich die Gentechnik auf die Dauer auf Natur, Tier und Mensch auswirken wird? Könnte hier nicht eine Zeitbombe ticken, von deren Sprengkraft wir noch gar nichts ahnen? Das Risiko ist nicht zu leugnen auch wenn sich die Folgen erst nach Jahrzehnten bemerkbar machen sollten.
Denn die Bedenken weitsichtiger Menschen sind ja vor allem grundsätzlicher Natur. Es geht nicht nur darum, ob vielleicht verstärkt z.B. Allergien oder Krebserkrankungen auftreten könnten. Nein, es geht darum, dass durch derart gezielte und künstliche Eingriffe in das Leben von Pflanzen, Tieren und schließlich auch Menschen die gesamte Natur, so wie sie sich seit 4 Milliarden Jahren auf der Erde entwickeln konnte (und wie uns diese Entwicklung Charles Darwin vor 150 Jahren begreiflich machte) innerhalb kürzester Zeit total verändert, umgebogen, verpfuscht werden kann.
Das kann nicht gut gehen!
Im Grunde ist die Gentechnik ein riesiges Geschäft. Zur Zeit wird die europäische Bio-Patent-Richtlinie in deutsches Recht umgesetzt. Was sind die Folgen? Firmen können ihr Gen-Technik-Gemüse, ihre manipulierten Mais- oder Reissorten patentieren lassen, und teuer verkaufen, so, wie es in den USA schon lange üblich ist. Allerdings - und glücklicherweise - sind viele Lebensmittelfirmen stark verunsichert. Nach einer "Europabarometerumfrage" von Greenpeace im Jahre 2003 verzichten 170 von 216 befragten Firmen bewusst auf Gen-Zutaten.
Man sagt, die Wissenschaftler, die da forschen, manipulieren, experimentieren, wären sich ihrer großen Verantwortung wohl bewusst. Sie würden bestimmt nichts tun, was der Natur am Ende nicht wieder gut zu machenden Schaden bringen würde.
Wir glauben das nicht.
Ein Blick in die Geschichte lehrt uns, wozu Wissenschaftler, von Ehrgeiz, Ruhmsucht, Geldgier besessen, fähig sind – bis hin zu den schlimmsten Verbrechen. Wer einmal vom Forscherdrang befallen ist, wird immer weiter machen, da gibt es kein Halten.
Haben wir nichts gelernt aus der Atomphysik? Professor Erwin Chargaff, der als einer der Väter der Gentechnologie gilt, kam schon vor sechs Jahren zu der folgenden Erkenntnis: "Die schlimmsten Grenzüberschreitungen unserer Zeit sind die Misshandlung des Atomkerns und die Misshandlung des Zellkerns".
Und wenn ein junger "Philosoph" anlässlich einer Tagung in Lindau sagte: Der Mensch muss sich von der Natur nicht alles gefallen lassen", dann kann einem nur das kalte Grausen kommen. Eher ist zu befürchten, dass sich die Natur nicht alles vom Menschen gefallen lässt.
Ernst Ulich(Juli 2003)
Inzwischen (August 03) wird bekannt, dass amerikanische Lobbyisten versuchen, die Kennzeichnungspflicht der Gen-Produkte in Europa mit aller Macht zu verhindern. Für einige Konzerne stehen erhebliche wirtschaftliche Interessen auf dem Spiel. Es ist sehr zu hoffen, dass die EU sich durchsetzen wird.
zurück