Tier & Mensch e.V.

 
Proteste gegen Ferkel- Kastration:
McDonalds und Burger King reagieren

Die Albert Schweitzer Stiftung für Tierschutz e.V. hat die Prignitzer Landschwein GmbH wegen Verstoßes gegen das Tierschutzgesetz angezeigt. Grundlage für die Anschuldigungen sind Videoaufnahmen, die einen  Mitarbeiter beim gesetzeswidrigen Herausreißen von Ferkelhoden zeigen. Das zuständige Veterinäramt wurde, da es nichts unternommen hatte, der Beihilfe beschuldigt und ebenfalls angezeigt. Mehr als 22 Millionen Ferkel werden nach Angaben der Albert Schweitzer Stiftung jährlich unbetäubt kastriert. Grund hierfür ist der Eigengeruch, der sich allerdings nur bei 5% aller Eber entwickelt und durch Verarbeitung des Fleisches wohl auch überdeckt werden kann.   
Nun haben die Fastfood-Ketten McDonalds und Burger King angekündigt zukünftig auf Fleisch betäubungslos kastrierter Schweine vollkommen zu verzichten. Hierzu setzte McDonalds ein Ultimatum bis 2011. Sollte die deutsche Landwirtschaft nicht in der Lage sein, bis dahin umzustellen, werde man auf den ausländischen Markt ausweichen.
Nach den Richtlinien der QS (Qualität und Sicherheit), das Prüfsiegel, mit dem auch die Produkte des oben genannten Betriebes versehen sind, müssen schon seit April 2009 Schmerzmittel verabreicht werden. Dies jedoch erst nach der Kastration. Die Kastration selbst wird wie zuvor betäubungslos durchgeführt.

Felix Ulich  September 2009

 
Kastration von Ferkeln

von Karin Ulich, Tierärztin

„Man könnte meinen, die Herren, die sich bei diesem Thema zu Wort gemeldet haben, wären noch nie operiert worden. Würden sie sich tatsächlich ohne Betäubung kastrieren lassen, wenn man ihnen eine Schmerztablette für die Schmerzen danach verspräche? Ein Schmerzmittel kann bei einer Operation niemals die Narkose ersetzen!

Es ist eine unhaltbare Ausrede zu sagen, es gäbe keine praxisreife Alternative. Das Narkosegas Isofluran ist zwar technisch problematisch, und das millionenfach in Schlachthöfen eingesetzte qualvolle Erstickungsgas CO2 taugt nicht als Betäubungsmittel. Es gibt jedoch eine praxistaugliche, finanziell tragbare Möglichkeit: 

Seit Jahrzehnten hat sich die Narkose mit Ketamin und Azaperon (Stresnil) in der Praxis auch bei Saugferkeln bewährt. Es gibt auch genügend wissenschaftliche Abhandlungen über diese verträgliche Injektionsnarkose. Auch die Praxistauglichkeit bei der Kastration von Saugferkeln wurde untersucht und das Ergebnis eines kontrollierten Feldversuches in der Schweineklinik der FU mit über 2300 Ferkeln schon 2006 veröffentlicht. 

Es ist mir unverständlich, warum die Tierärzte Dr. Priesmeier – als Vertreter des Bundeslandwirtschaftsministeriums - und der Präsident des Bundesverbandes praktizierender Tierärzte, Dr. Götz, diese Alternative mit keinem Wort erwähnen. Sie lesen wie jeder Tierarzt das Tierärzteblatt. Dieses Totschweigen läuft meines Erachtens auf eine Verdrehung der Tatsachen hinaus, wofür mir jedes Verständnis fehlt.

Denn diese Injektion tierschutzkonform und praxistauglich. Da muss nicht erst noch jahrelang geforscht werden. Ein Schmerzmittel muss anschließend gegeben werden. Der finanzielle Aufwand beträgt pro Ferkel insgesamt ca. 5,- Euro. Der niedersächsische Landwirtschaftsminister Ehlen bezweifelt allerdings, ob der Verbraucher bereit wäre, die zusätzlichen 12 Cent pro kg zu bezahlen!

Es ist sehr leicht, kaltblütig über das Schicksal anderer zu entscheiden, vor allem, wenn man sich hinter der unsinnigen Begründung versteckt, „es seien ja nur Tiere“ (Zitat Angela Merkel, 2005). Man fühlt sich ja sicher in dem Bewusstsein, selbst nicht zu den Betroffenen zu gehören. Aber unter zivilisiertem Handeln stellt sich der unbefangene Bürger eigentlich vor, dass man sich im Sinne des Tierschutzgesetzes von der menschlichen Fähigkeit des Mitgefühls leiten lässt.

Weit gefehlt!
Beim Umgang mit den Nutztieren ist es schon zu viel, paar Cent mehr zu kalkulieren, auch wenn dadurch eine untragbare Brutalität abgestellt werden könnte. Diese Pfennigfuchserei stößt zunehmend die Verbraucher ab, und das mit Recht!

März 2009
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