Tier & Mensch e.V.
Eierlobby will Käfighaltung durchsetzen
Kompromiss gescheitert
Die deutsche Eierlobby will gewaltsam Tierschutzrecht brechen - und das mit getürkten "wissenschaftlichen" Studien und mit Hilfe der unionsregierten Bundesländer. Auch die Medien haben sich kräftig einspannen lassen und verbreitet, dass Hennen im Käfig gesünder und glücklicher wären als solche in Boden- oder Freilandhaltung.
Ziel der Geflügelindustrie ist es, das ab 2007 geltende Verbot der Käfighaltung in Deutschland zu kippen. Um das zu erreichen, haben die unionsregierten Bundesländer der neuen Schweinehaltungs-Verordnung nicht zugestimmt - ein schäbiger Erpressungsversuch. Nun sollte als Kompromiss die "Klein-Voliere" ins Spiel gebracht werden. Eine vom Künast-Ministerium eingesetzte Arbeitsgruppe, bestehend aus Vertretern von Wirtschaft, Wissenschaft und Tierschutz, die sie genauer definieren wollte, ist am 13.9.04 gescheitert:
Die Tierschützer sind empört, dass die Eierlobby unter "Kompromiss" nichts anderes als den "Ausgestalteten Käfig" versteht. Nur der Name ist ein anderer, zur Kundentäuschung gut geeignet, denn wer hat denn was gegen eine "Voliere"?
Der Richter Christoph Maisack, exzellenter Fachmann für Tierschutzrecht und Vertreter von "Menschen für Tierrechte e.V." erklärte, dass die von den Hühnerbaronen angestrebten Käfige nicht mit dem Grundgesetz, dem Tierschutzgesetz und auch nicht dem Urteil des Verfassungsgerichts von 1999 zu vereinbaren seien.
Denn die angestrebte "Klein-Voliere" ermöglicht kein artgerechtes Verhalten der Hennen - wie sollte das auch möglich sein auf der Fläche von etwa einer DinA4-Seite pro Huhn und der Käfighöhe von 45 cm?
Offenbar ignorieren Bundesländer diese Tatsache, wenn sie, an der Spitze Niedersachsen mit dem Landwirtschaftsminister Ehlen, auf dem Hühnerkäfig beharren und sich geringfügigen Verbesserungen in der Schweinehaltung verweigern.
Wichtig ist nun, auf die Landwirtschaftsminister Druck auszuüben, bei der bereits beschlossenen Verordnung für Hennen-Haltung zu bleiben und sich dem Entwurf des BMVEL für eine verbesserte Schweinehaltung nicht länger zu verschließen.
Ist es etwa mit moralischen Grundsätzen zu vereinbaren, wenn Politiker einer Verbesserung der z. Zt. tierschutzwidrigen Bedingungen für Schweinehaltung nur zustimmen, wenn dafür die Hühner gequält werden?
Karin Ulich
zurück