Tier & Mensch e.V.

Brief an Ministerpräsident Kurt Beck

Herrn
Ministerpräsident Kurt Beck
Rheinland-Pfalz Peter-Altmeier-Allee 1
55116 Mainz

Betrifft:
1. - Aufhebung des Käfigverbotes
2. - Unbefristete Stallpflicht für Hausgeflügel
Sehr geehrter Herr Ministerpräsident Beck!
1.- Die Aufhebung des Käfigverbotes im Bundesrat ist für uns völlig unverständlich, da schon 1999 das Urteil des Verfassungsgerichtes die Käfighaltung von Legehennen als Tierquälerei verboten hat. Deshalb ist es sehr anerkennenswert, dass das Land Rheinland-Pfalz gegen diesen Beschluss gestimmt hat.
Nachdem Sie nun voraussichtlich SPD-Vorsitzender werden, appellieren wir an Sie, alles zu tun, um diesen Beschluss rückgängig zu machen. Wir können uns nicht vorstellen, dass das Bundesverfassungsgericht diesen Rückschritt dulden würde.
Seit dem Urteil sind inzwischen sieben Jahre vergangen, und es ist heuchlerisch, wenn man u.a. als Begründung angibt, dass den Geflügelhaltern noch weitere Zeit zur Umstellung gewährt werden müsse.
Auch der Hinweis auf die Bestimmung der EU ist nicht logisch, da Deutschland sein eigenes Tierschutzgesetz als rechtliche Leitschnur beachten muss, und es sich bei der EU-VO nur um Mindest-Richtlinien handelt, die von keinem Land unterschritten werden dürfen.
2. - Die unbefristete Verlängerung der Stallpflicht von Geflügel wird der Todesstoß für artgerechte, gesunde Freilandhaltungen sein. Es dient der Geflügelwirtschafs-Lobby, nicht aber der Gesunderhaltung der Tiere, und schon gar nicht dem Schutz vor der Vogelgrippe:
Von den tot aufgefundenen Wildvögeln in den am schwersten betroffenen Regionen hatten nur 3% (Bodensee) bzw. 5% (Rügen) das H5N1-Virus. Die Zahl der insgesamt toten Wasservögeln lag im Durchschnitt der alljährlichen Wintersaison, denn immer sterben viele durch die Folgen der harten Fröste und des Nahrungsmangels geschwächte Tiere. Bei lebenden Wildvögeln wurde das Virus nie nachgewiesen!
Bezeichnend auch, dass in Europa kein Freilandgeflügel Opfer der Vogelgrippe wurde. So waren die freilaufenden Enten und Gänse in Wermsdorf (Sachsen) völlig frei vom Virus, die im Stall eingesperrten Puten dagegen erkrankten. Genauso verhielt es sich mit dem Fall der infizierten Putenmast in Frankreich, Die berühmten Bresse-Freiland-Masthühner dieser Gegend waren frei vom Virus. Die Vogelgrippe in Holland 2003, bei der 3 Millionen Hühner starben bzw. getötet wurden, betraf ausschließlich intensive Stallhaltungen und Käfighennen. Stallhaltung, ganz besonders die von der Regierung massiv unterstützte intensive Massentierhaltung, leistet Seuchenausbrüchen Vorschub, da diesen Tieren durch Enge, Stress, Mangel an Sonnenschein und frischer Luft die Abwehrkräfte fehlen.
Weltweit waren die Quellen der H5Nl-Ausbrüche stets geschlossene Massentierhaltungen, aus denen Tiere und Kot oft über längere Zeit in die Umwelt gelangten, bevor Seuchenschutzmaßnahmen ergriffen wurden. Also muss die Politik umschwenken zu gesunder Haltung im Freiland, anstatt diese zu verbieten.
Neben den vielen Aufgaben, die auf Sie zukommen, ist diese sehr wichtig, denn die Manipulationen, die politisch zum Nutzen weniger Industrieller und zum Schaden des ganzes Volkes und der Tiere vorgenommen werden sind von diktatorischer Willkür und unerträglich!
Mit freundlichen Grüßen,
Karin Ulich Tierärztin, Ernst Ulich, Geschäftsführer Tier & Mensch e.V.
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