Tier & Mensch e.V.

Genkartoffel erringt Pyrrhussieg

Mit einem beeindruckenden Polizeiaufgebot wurde im April die Genkartoffel Amfora von BASF auf den Acker gebracht. Der Konzern hatte trotz massiver wissenschaftlicher Bedenken die Genehmigung bei der EU und in Deutschland durchgesetzt. Da zwei­felhaft ist, ob die Genehmigung legal ist, weil die in diese Knolle eingebaute Antibiotika-Resistenz die menschliche Gesundheit gefährden kann, will ein Bündnis von 40 Organisationen („Aktion GEN-Klage") die Zulassung vor dem Europäischen Ge­richtshof kippen. Abgesehen davon hinkt Amflora hinter der Zeit her: Keiner will sie haben, keiner braucht sie. Die Stärke-Industrie und weitere potentielle Ab­nehmer lehnen sie ab, zu groß wäre der Image­-Schaden, nachdem die Verbraucher durch Wissen­schaftler und Umwelt-0rgansationen aufgeklärt wurden. Inzwischen ist es sogar auf konventionelle Weise gelungen diese besondere Stärkekonzentration in eine Kartoffel hinein zu züchten. Bei Am­flora ist vieles faul – möglicherweise soll sie als Öff­ner der Schleusentore für eine Vielzahl weiterer Genfabrikate dienen.

Karin Ulich Juni 2010

 
Gen-Mais vorläufig verboten

Die Entscheidung der Landwirtschaftsministerin Aigner, die Aussaat von Genmais in diesem Jahr zu verbieten, wurde von den meisten Bürgern und allen Natur- und Umweltfreunden begrüßt. Sie folgt damit anderen EU-Ländern wie Österreich, Ungarn, Frankreich, wo dieses Verbot schon seit längerem besteht. Allerdings gilt dieses Verbot nur „vorläufig", also ist weiterer Druck erforderlich.

„Tier & Mensch" hat sich bei Frau Aigner bedankt. Hier ein Auszug aus einem Schreiben des Kontaktbüros Lindau: „Gestern haben Sie ein zweites Mal Rückgrad gezeigt, indem Sie sich für ein Verbot des MON810-Mais eingesetzt haben. Wir erwarten, dass Sie standhaft bleiben gegenüber den massiven Forderungen der Konzerne. Wir geben die Hoffnung nicht auf, dass Sie auch auf weiteren wichtigen Tätigkeitsfeldern Fehler der Vergangenheit korrigieren: Ganz besonders dringend wäre es, die unhaltbare Überschwemmung Deutschlands mit umweltschädigenden, Mensch- und Tier verachtenden Massentierhaltungen zu beenden, die in unserem Land überdies viele Arbeitsplätze vernichten. Mit Entsetzen nehmen wir zur Kenntnis, dass Ihr Ministerium Geld und Energie aufwendet, um wenigen, meist ausländischen Großunternehmen die Tore zu weltweitem Exporthandel und großen Profiten zu öffnen."

Natürlich stößt Frau Aigner auf starken Widerstand in den eigenen Reihen, und hauptsächlich bei den Wissenschaftlern. Diese beklagen, dass dem Forschungsstandort Deutschland „irreparabler Schaden" zugefügt wird. Inzwischen hat Forschungsministerin Schavan zum 20. Mai alle Interessengruppen zu einem „Runden Tisch" zusammengerufen, an dem das Problem diskutiert werden soll. Und die Firma Montanso hat sogar gegen Aigners Entscheidung Klage erhoben, die inzwischen aber agewiesen wurde.

Wir jedenfalls bleiben bei der Ablehnung jeglicher grüner Gentechnik, da wir befürchten, dass am Ende der Natur „irreparabler Schaden" zugefügt wird. 

E.U.

Genmais nein - Genkartoffel ja?

Kurze Zeit, nachdem Frau Aigner den Anbau von Genmais untersagt hatte, genehmigt sie nun die „Amflora". Sie darf zu „Forschungszwecken" auf 20ha Freilandfläche in Mecklenburg angebaut werden.

Sie soll ausschließlich für industrielle Zwecke genutzt werden, also bestehe keine Gefahr. Greenpeace allerdings warnt vor Resistenzen gegen Antibiotika, die sich nachteilig für die menschliche Gesundheit auswirken könnten

Wie ist nun dieses Verhalten der Landwirtschaftsministerin zu erklären? DER TAGESSPIEGEL spekuliert: „Mit dem Genmais-Verbot beugte sie sich noch dem allmächtigen Parteichef Seehofer, mit der Erlaubnis des Genkartoffel-Anbaus begehrt sie gegen ihn auf.

So einfach scheint es uns nicht zu sein. Jedenfalls haben wir noch viele Überraschungen zu erwarten.

Wir empfehlen das Buch „Mit Gift und Genen" von Marie-Monique Robin. Kürzlich erschienen in der DVA. Eine Abrechnung mit dem Monsanto-Konzem

Auch haben wir den Film „We feed the World" auf DVD, kann ausgeliehen werden.

E.U.  (Juni 2009)

 

Landwirtschaftsministerin Aigner lehnt Gentechnik ab

In einem Interview mit der Berliner Zeitung anlässlich der BiO-FACH-Messe in Nürnberg äußerte sich Frau Aigner eindeutig gegen den Anbau genveränderter Pflanzen in Deutschland. Sie sagte u.a.: „Die grüne Gentechnik bringt den Menschen hierzulande keinen erkennbaren Nutzen. Die Verbraucher lehnen sie ab. Die Landwirte wollen sie nicht." Wenn die Rechtslage es erlaube, würde sie auch die Zulassung der Genmaissorte MON810 widerrufen. Bei Genmais sei kein Mehrwert erkennbar. „Man muss erforschen, wie sich genveränderte Pflanzen aufs Ökosystem auswirken, auf Insekten etwa. Da kann man sich nicht auf die Angaben des Herstellers verlassen."

Allerdings gab sie zu, dass ihre persönliche Einstellung zu diesem Problem eine etwas andere ist. Sie hätte kein Problem, in einen Gen-Apfel zu beißen, meinte sie. Und sie äußerte Verständnis dafür, dass die Gentechnik bei nachwachsenden Rohstoffen und in anderen Ländern „mehr Bedeutung“ haben könnte.

Wie zu erwarten, kam der Widerspruch sofort aus den eigenen Reihen. Forschungsministerin Schavan meinte, die Gentechnik dürfe nicht „dämonisiert“ werden. Katherina Reiche warnte vor einem „Exodus dieser so wichtigen Forschung ins Ausland.“ So ist zu befürchten, dass Frau Aigner bald wieder einknicken wird. Aber vielleicht findet sie Rückhalt bei der Bundeskanzlerin? Diese war ja selbst mal Umweltministerin. Außerdem stammt sie aus einem christlichen Haus. Also sollte ihr doch die „Bewahrung der Schöpfung“ am Herzen liegen.
E.U. März 2009

Anmerkung:
Da sich die Landwirtschaftsministerin, die ja auch Verbraucherschutzministerin ist, so eindeutig auf den Bürgerwillen beruft, hätten wir gern gewusst, wie sie es mit der Massentierhaltung hält. Speziell meinen wir den Betrug mit der Bezeichnung „Kleingruppe“, den ihr ihr Vorgänger eingebrockt hat. Wird sie den Mut haben, das korrigieren?

Eine Art der Machtergreifung
Gentechnik als Form, Saatgutmonopole zu etablieren

Von Elisabeth Meyer-Renschhausen"Ihr könnt später nicht sagen, Ihr hättet nichts gewusst!" Diesen Satz wiederholt Percy Schmeiser aus Kanada in der Kirche von Bad Freienwalde am 13. Januar bestimmt fünfmal. Der 77jährige bereist derzeit die Bundesrepublik Deutschland sowie Österreich, um vor den Gefahren der Gentechnik zu warnen. Denn im Januar 2008 sollte im Bundestag ein Gesetz verabschiedet werden, das den Anbau von gentechnisch veränderten Pflanzen zulassen soll. Zwar muss zum Nachbarbauern ein Sicherheitsabstand von 150 Metern eingehalten werden, aber, so weiß der Farmer aus Kanada, das hilft nicht. 

In Kanada sind die gentechnisch veränderten Pflanzen jetzt überall. Der Wind trägt den Samen des Gentech-Raps, des GMO-Raps von Monsanto, Nestle oder Bayer 200km weit. Und die gentechnisch veränderten Pflanzen kreuzen sich überall ein. In Kanada ist der Anbau von Ökoraps nicht mehr möglich. Aber nicht nur das. Raps ist ein Kreuzblütler, also eine Kohlpflanze (lat. Brassica). Und diese Kohlpflanzen sind untereinander alle nahe verwandt: Raps und Radieschen, Meerrettich. Senf, Blumenkohl und Chinakohl, Weißkohl oder Rosenkohl: In Kanada ist der Anbau von ökologischem, gentechnisch unbelastetem Kohl - einem der Grundnahrungsmittel der Menschheit seit Tausenden von Jahren - nicht mehr möglich. 

Die Verunmöglichung zukünftigen Öko-Raps-Anbaus ist gewollt. Damit ist nicht nur das Lebenswerk des Bauern Percy Schmeiser und seiner Frau zerstört: die Zucht von Öko-Rapssaat. Nun sollte der Bauer an Monsanto zahlen. Denn laut amerikanischem Patentrecht gehört jeglicher Raps, in dem sich das Monsanto-Raps-Gen nachweisen lässt, dem Konzern. Daher verklagte Monsanto Schmeiser 1998 auf 19.000 Dollar Schadensersatz: Er hätte unbefugt Monsanto-Raps auf seinen Feldern. Schmeiser hatte niemals Monsanto-Saatgut gekauft. Aber der Genraps hatte sich in seine Ökosaat eingekreuzt. Daher gehört sein Saatgut jetzt Monsanto, komplett. Ganz egal in wie großen Mengen sich das gentechnisch veränderte Saatgut auf Percys Feldern nachweisen lässt, es gehört Monsanto. So will es das US-amerikanische Patentrecht. Percy Schmeiser nahm sich einen Anwalt. „Die Erfahrungen, die wir dann machen mussten, möchte ich keinem Menschen der Welt wünschen!" Denn nun wurden er und seine Frau von Monsanto Tag und Nacht beschattet. Wo überall sie auf ihren Äckern zugange waren, stand da ein Auto und man schaute, was sie machten. Seine Frau bekam erpresserische Anrufe. Nach zehn Jahren zermürbender Prozesse durch alle Instanzen der kanadischen Gerichtsbarkeit bekam Percy Schmeiser vom Obersten Gerichtshof in Kanada Recht, leider nur teilweise. Er muss nicht zahlen, aber seine Saat gehört weiterhin Monsanto, weil sich das manipulierte Gen in seine Saat eingekreuzt hatte. Die Freisetzung von gentechnisch Verändertem Saatgut ist offenbar die Methode, alle Farmer einer Region für alle Zukunft zu zwingen, das Saatgut bei einem der drei bis fünf internationalen Saatgutmultis (Monsanto, Nestle, Bayer) zu kaufen.

Der systematische Terror, den das kanadische Farmerpaar erfahren musste, gehört scheint´s zur Strategie der Marktübernahme der Saatgutmonopolisten. Immer wieder erhalten seine Frau und er Anrufe von verzweifelten, weinenden Bäuerinnen, die mittels Drohbriefen von Monsanto zu Zahlungen erpresst werden. Percy Schmeiser hält dem Publikum einen derartigen Brief entgegen. Auch an Farmer, die nie Monsanto-Saatgut gekauft haben, schreibt die Firma: „Wir haben von einem Ihrer Nachbarn erfahren, dass Sie unbefugt Monsanto-Saat angebaut haben. Wir fordern Sie zu einer Zahlung von….. Dollar auf, da wir andernfalls Ihre Felder verpfänden lassen müssen." Diese Briefe sähen - offenbar bewusst - Misstrauen, Furcht und Schrecken in den Dörfern.

Statt sich untereinander zu helfen, haben nun alle Farmer voreinander Angst und igeln sich in ihren Häusern an. Entsetzt grübeln sie: Wem verdanke ich diesen Brief? Tatsächlich fordert Monsanto alle Farmer per Radio auf, Nachbarn, die sie verdächtigen, bei ihnen anzugeben. Dass eine große Firma, die mit Klagen, Detektiven und Einschüchterungsanrufen arbeitet, solche Verdächtigungen einfach erfinden kann, darauf kommen die meisten der verzweifelten Farmer nicht. Diese Art und Weise, genmanipuliertes Saatgut durchzusetzen, erinnert an die Methoden der Nazis oder Stalinisten. So macht man Menschen gefügig.

Soll man in Europa wirklich das Saatgut einer Firma zulassen, die skrupellos einen derartigen Bürgerkrieg entfacht?

Im Gegensatz zu dem, was man bisher behauptete, werden die gentechnisch veränderten Gene von den sie aufnehmenden Tieren nicht ausgeschieden. Vielmehr lagern sie sich auch in den Körpern der Menschen ab. Sie bewirken unter anderem Sterilität bei Menschen und Tieren. In den USA wurden mit gentechnisch verändertem Mais gefütterte Schweine steril, berichtet der ehemalige Bürgermeister und Landtagsabgeordnete Schmeiser weiter.

Und: Aus den gentechnisch veränderten Raps-Samen entstand ein Superunkraut, eine ganz neue Rapspflanze. Die wird nun mit maximalem Einsatz von teurem Hypergift bekämpft.

Atemlos hatte die bunte Zuhörerschaft in Bad Freienwalde dem jugendlich wirkenden Referenten zugehört. Eine Frau meldet sich: Was machen Sie mit dem Geld, das Sie und Ihre Frau mittels der Verleihung des alternativen Nobelkreis im letzten Jahr erhielten? Die Anwaltskosten bezahlen und weiterklagen, ist die klare Antwort. Am 23.Januar geht Percy Schmeiser zum Gegenangriff über. Nun verklagt er Monsanto auf Schadensersatz. Sie sollen jenen Bauern, deren Saatgutzucht zerstört wurde, Schadensersatz zahlen. Die großen Konzerne müssen für die systematischen Umweltzerstörungen, die sie begehen, zur Rechenschaft gezogen werden. Sie müssen für den Schaden, den sie anrichten, zahlen. 

Bei Percy Schmeisers Leidesweg durch die Instanzen der kanadischen Gerichtsbarkeit wurde offenbar, dass der kanadische Staat Mitverdiener ist. Nicht nur, dass die meisten Felder, von denen gentechnisch veränderte Saat auf die Felder Unbeteiligter flog, staatseigene Felder waren. Sondern der kanadische Staat erhielt auch einen Teil der Profite, die Monsanto aus dem Verkauf seiner GMO-Saat (GMO = genetic modified organism) machte. Daher hat Percy Schmeiser den kanadischen Staat jetzt in Genf beim internationalen Gerichthof verklagt. Der kanadische Staat darf nicht weiterhin dermaßen fahrlässig mit der Gesundheit seine Bürger umgehen. Die Menschen haben ein Recht auf eine umfassende Kennzeichnung aller Lebensmittel. Der kanadische Staat soll die Freiheit der Wissenschaften wieder herstellen, die verschwunden ist, seitdem alle Universitätsforschung von Privatfirmen "gesponsert" wird. Und der kanadische Staat soll das Recht eines jeden Farmers auf die Verwendung seines eigenen Saatguts garantieren.
© Elisabeth Meyer-Renschhausen
elmeyerr@zedat.fu-berlin.de

Monsanto gibt nach

Bahnbrechende Wende?

Die Umweltschutz-Organisation „Global 2000“ meldet, dass unmittelbar vor der letzten Gerichtsverhandlung Monsanto dem Biobauern Percy Schmeiser Schadenersatz für seine Biorapsfelder zugestanden hat. Denn zum wiederholten Male waren durch Pollen- und Samenverunreinigungen auf Schmeisers Acker Monsantos genmanipulierter Raps gewachsen. Bisher hatte Schmeiser seine Klagen gegen den weltmächtigen Konzern regelmäßig verloren, sollte sogar seinerseits Strafe zahlen. Schmeisers zähem Ringen um sein Recht gegenüber dem Giganten ist zu verdanken, dass ein möglicherweise bahnbrechende Wende eintritt: Wenn Biotech-Firmen für die Folgen ihrer genmanipulierten Pflanzen und Tiere aufkommen müssen, wird das Geschäft weniger rentabel. Schmeiser, der nie aufgegeben hat in seinem jahrelangen, aussichtslos scheinenden Kampf, dem inzwischen sogar  der Alternative Nobelpreis verliehen wurde, hat den Weg frei gemacht für Schadenersatzforderungen geschädigter Bauern weltweit. 
April 2008

 www.global2000.at

 

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