Tier & Mensch e.V.
Die Masthühner zahlen einen hohen Preis
Leistungsförderer sind Futterzusatzstoffe. Sie dienen dazu, die letzten genetischen Wachstumsreserven der "Nutztiere" zu mobilisieren. Auch wenn ihre Wirkungsmechanismen noch nicht alle erforscht sind, werden sie angewendet, weil ja der mit ihnen erzielbare Profit nach dem Tierschutzgesetz angeblich ein "vernünftiger Grund" ist, der es erlaubt den Mitgeschöpfen Schmerzen, Leiden oder Schäden zuzufügen (§1 Tierschutzgesetz), zumal diese ja "nicht andauernd" sind, sondern "nur" bis zum Sterben am Fließband in einer Geflügelschlachterei währen.
In einem Versuch mit 20 Tieren einer gebräuchlichen Masthybridrasse wollte ich den Einfluss von praxisüblichem, antibiotikahaltigem Hochleistungs-Mastfutter auf das Verhalten der Tiere im Vergleich zu Tieren, die mit einer natürlichen Mischkost, bestehend aus verschiedenen gehackten Getreidesorten und Kräutern gefüttert wurden, feststellen. Das Futter wurde zur freien Aufnahme bereitgestellt. Hierzu teilte ich die 20 Tiere in zwei Gruppen zu je 10 Küken ein. Die Unterbringung erfolgte zunächst in praxisüblicher Enge. Die (physikalische) Wärme der fehlenden Glucke wurde durch eine Heizung ersetzt. Das durchschnittliche Anfangsgewicht betrug in beiden Gruppen am 2. Lebenstag 41,5 Gramm. Beide Gruppen erhielten ab dem 19. Lebenstag mit je 3 qm ein gegenüber den Verhältnissen in der Intensivmast (mit 25 Tieren/qm) ein um das 7,5-fache größeres Platzangebot, um den natürlichen Bewegungsdrang nicht unnötig einzuengen. Die Naturfuttergruppe erhielt außerdem ab dem 10. Tag stundenweise, ab dem 19. tagsüber Auslauf auf dem Rasen.
Durch das "Leistungsfutter" mit seiner Beimischung von Antibiotika sowie anderen Medikamenten nahmen die Küken rasant an Gewicht zu. Die Verhaltensunterschiede sind Beleg dafür, dass das Wohlbefinden der konventionell gemästeten Tiere erheblich beeinträchtigt wird. Als Ursache gilt die widernatürliche Gewichtszunahme, der weder das Skelett noch der Bänderapparat gewachsen sind. Versuche mit Puten belegten, dass damit Schmerzen verbunden sind, die die Tiere durch langes Sitzen zu mindern trachten. Die schwere Atmung ist Beleg für die permanente Überforderung des Kreislaufs, weshalb ja auch ca. 4% der Tiere im Stall verenden, sofern nicht ungünstige sommerliche Klimaverhältnisse die Rate noch stärker ansteigen lassen.
Die Verwendung praxisüblichen Hochleistungsfutters mit Antibiotikazusatz (nicht nur) bei Hühnermast stellt einen gravierenden Verstoß gegen Sinn und Geist unseres Tierschutzgesetzes dar.
Eckard Wendt (2000)
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