Tier & Mensch e.V.

 
Grotelüschen zurückgetreten.
18.12.2010

Selten wurde der Rücktritt eines Ministers in einem Bundesland mit so großer Erleichterung zur Kenntnis genommen  – und nicht nur von Natur- Umwelt- und Tierschutzverbänden, sondern offensichtlich auch von den Parteien, sogar  der CDU. Es wird von einem „Rauswurf“ gesprochen. Wie geht es nun weiter? Kommen wir mit Herrn Lindemann vom Regen in die Traufe? Immerhin lassen einige Presseäußerungen hoffen. So bringt der TAGESSPIEGEL die Meldung mit der Überschrift „Puten können hoffen“, und das Göttinger Tageblatt kündigt an: „Lindemann will Tierschutz verbessern“.  Ministerpräsident McAllister sprach von „berechtigten Forderungen großer Teile der Gesellschaft“ und stellte in Aussicht, sich über Weihnachten selbst ein Bild machen zu wollen. Und noch immer stehen im Raum die Erklärungen des Staatssekretärs Ripke, der im Oktober im Agrarausschuss gravierende Mängel in der Geflügelhaltung aufgelistet hatte. Er hatte sogar von Plänen gesprochen, neue Leitlinien zu entwickeln. Diese Äußerungen hatten wütende Reaktionen der Geflügelwirtschaft zur Folge (was durchaus verständlich ist), ihm aber  auch heftige Kritik aus dem eigenen Haus eingebracht, nicht  zuletzt von seiner Chefin. Also sah sich Ripke gezwungen, sofort zurückzurudern. In einem Interview mit der Hannoverschen Allgemeinen erklärte er, dass ihn die Reaktion auf seine Erklärung sehr betroffen gemacht habe und: „Wir brauchen eine Kehrtwende nicht“. Denn der „Tierschutz sei ein Dauerthema“.

Genau das ist es. „Dauerthema“ seit sechzig Jahren – und kaum etwas hat sich verbessert.

Wir halten es für völlig ausgeschlossen, dass Herr Lindemann nun da anfängt, wo seine gescheiterte Vorgängerin aufhören musste.

E.U.  

 
Will Niedersachsen die gravierenden Mängel in der Geflügelhaltung wirklich beseitigen?

21.11.2010

Staatssekretär Ripke hat schwere Missstände in der Geflügelhaltung eingeräumt, wie die Hannoversche Allgemeine Zeitung am 18.11.2010 berichtete. Doch solange Astrid Grotelüschen in Niedersachsen Landwirtschaftsministerin ist, wird sich gar nichts ändern, fürchtet die Tierärztin Karin Ulich, Vorsitzende von Tier & Mensch e.V. Als sprichwörtliche „Putenministerin“ hat sie bisher die intensive Geflügelhaltung stets gegen jede Kritik energisch verteidigt und sich als übereifrige Lobbyistin präsentiert. Ahlhorn, das Unternehmen ihrer Familie, züchtet ja selbst diese krank gezüchteten Puten in großem Stil und verdient auf allen Erzeugerstufen mit, bis zum Schlachthof. Bisher hat sie sich nicht gescheut, sich lächerlich zu machen, indem sie sich auf das Peinlichste heraus geredet und gewunden hat. Zum Beispiel, als sie zu den von PETA aufgedeckten Missständen in Putenhaltungen Stellung nehmen sollte (Report Mainz, ARD im August 2010). Obwohl ihr Familien-Unternehmen mit den betreffenden Haltungen eng verflochten ist und ihr offensichtlich nachgewiesen wurde, dass sie im Zusammenhang mit den schweren Vorwürfen gegen Mastställe in Mecklenburg-Vorpommern mauschelte.
Misstrauen ist wahrhaftig angesagt. Seit Jahrzehnten ist es in Niedersachsen Tradition, sich auf Bundes- und EU-Ebene dafür einzusetzen, durch extreme Drangsalierung der Tiere das letzte aus ihnen heraus zu pressen, damit die Renditen der Geflügel-Industrie steigen. Auch Grötelüschens Vorgänger Ehlen kam aus der Branche: Er besaß vor Antritt seines Ministerpostens eine tierquälerische Schweinemast (die seinem Sohn überschrieben wurde). Entsprechend war seine Politik.
„Nun stelle ich mir folgende Szenarien vor,“ grübelt Ulich: “Entweder verliert Ripke seinen Posten als Staatssekretär, weil er Frau Grotelüschen und der Geflügelwirtschaft zu dreist auf den Schlips getreten ist. Oder aber Grotelüschen muss endlich gehen, weil sie den Bogen überspannte, indem sie ihr Ministeramt gar zu selbstsüchtig interpretierte. Wahrscheinlich ist die Meldung jedoch ist eine gemeinsam mit den Massentierhaltern raffiniert ausgeklügelte Finte, um mit ein paar wohlklingende Worten die Kritiker verstummen zu lassen. Es dürfte klar sein, dass in diesem Falle auf Zeit gespielt würde und mit Verschleierungstaktiken den Bürgern Verbesserungen vorgegaukelt würden, die es gar nicht gäbe. Denn wer will schon die Gewinnmargen des Agrar-Business gefährden?
Der Argwohn ist nicht von der Hand zu weisen. Um ein Beispiel zu nennen: Das reumütige Bekenntnis aus dem Ministerium verschwieg, dass schon lange in Deutschland verboten ist, den Tieren die Schnäbel zu amputieren, wenn nicht wegen akuter Kannibalismus-Probleme eine Ausnahmegenehmigung erteilt wurde – und trotzdem wird dieser tierquälerische Eingriff routinemäßig bei den Eintagsküken durchgeführt und von den Behörden geduldet.
Und doch es ist überraschend und erfreulich, dass wenigstens der Staatssekretär der Ministerin endlich einmal zugegeben hat, dass die Geflügelhaltung einer Tierschutz-Offensive bedarf. Ministerpräsident McAllister sollte nun endlich Stellung beziehen!
Siehe auch:
http://www.peta.de/web/putenmastskandal.3839.html

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