Tier & Mensch e.V.

Preisvergleiche lohnen

Ist Butter billig oder teuer? Alles ist relativ. Wer urteilen will, muss vergleichen. Zum Beispiel: Vor dem Krieg konnte ein Arbeiter für einen Stundenlohn gerade mal ein Stück Butter kaufen. Das kostete 90 Pfennige, und mehr verdiente er auch nicht. Wenn man heute für ein Stück Butter eine Stunde arbeiten müsste, wäre das eine Katastrophe. Oder: 4 Stunden arbeiten für 1 kg Suppenfleisch?

Mussten wir denn damals hungern? 1 kg Kartoffeln waren für 6 Pfennige zu haben, der Preis von 15 kg entsprach also dem von einem Stück Butter oder von acht großen Eiern. Ein Vierpfundbrot kostete umgerechnet 15 Cents. Man vergleiche! Und was sagt uns der Vergleich? Tierische Produkte waren damals relativ teuer, doch keiner hat sich beschwert. Man kannte es nicht anders und aß entsprechend weniger Fleisch.

Als ich in amerikanischer Kriegsgefangenschaft war, bekamen wir mindestens zweimal die Woche Hühnchen zum Mittagessen. Welch ein Luxus, kaum zu begreifen! Erst Jahrzehnte später fand ich heraus: Masthühner kamen aus Massentierhaltung, die es In Europa noch nicht gab. Sie waren das Billigste.

Damit wären wir beim Kernpunkt angelangt. Die Massentierhaltung ist das Grundübel unserer Zeit. Jeden Tag lesen wir das in der Zeitung, sehen das im Fernsehen. Jeder weiß es. Bloß an den Politikern geht das vorbei, wie von einer Ölhaut läuft das an ihnen runter. Sie nennen das „moderne Landwirtschaft", haben Angst vor der Agrar-Lobby. Doch die irreversiblen Schäden, die weltweit an Natur und Umwelt angerichtet werden, sind ihnen egal. Für die kommt sowieso keiner auf.

Ernst Ulich

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