Tier & Mensch e.V.

Auch Sachsen setzt auf Tierfabriken
Frank Kupfer, Agrarminister von Sachsen, täuscht die sächsischen Bürger unverhohlen, so dass es an Hohn grenzt. Ohne einen Blick hinein zu werfen, prämierte er den Massenstall mit 40.000 Masthühnern eines holländischen Investors als vorbildlich tier- und umweltgerecht. Das Wort Massentierhaltung meidet er, weil es, wie er sagt, „wertet". Ist eine Preisverleihung etwa keine Wertung? Er weiß vermutlich genau, dass intensive Geflügel- und Schweinemast auf Spaltenböden niemals tier- und umweltgerecht sein kann. Die Qualen, die diese überzüchteten Tiere erleiden müssen, sind immer wieder hinreichend beschrieben worden. Massentierhaltungen sind zudem ein gefährlicher Seuchenherd, unter anderem, weil die Atemwege durch Ammoniakdünste gereizt sind und den dicht gedrängten, gestressten Tieren die Abwehrkräfte fehlen. Die Tiere erhalten zwar mehrfach in ihrem kurzen Leben Antibiotika, dennoch sind - teils resistente - Infektionserreger weit verbreitet Tierbestände, die grundsätzlich riesige Probleme mit Infektionskrankheiten haben, können nicht durch verschlossene Türen „keimfrei" bleiben. Die Türen sind zu, weil die Betreiber genau wissen, was sie vor der Öffentlichkeit zu verbergen haben. Herr Kupfer muss es auch wissen - das gehört wohl zum 1x1 eines Landwirtschaftsministers dazu. Kupfer fordert den Ausbau der Tierproduktion. Er befürwortet Haltungen mit mehr als 250.000 Masthühnern, 10.000 Schweinen, 1.000 Kühen. Die wachsenden Industrie-Tierhaltungen haben schon Hunderttausende von Arbeitsplätzen auf dem Land vernichtet und werden auch den letzten Bauern den Garaus machen. Sie werden die unübersehbaren Berge an Überproduktion weiter erhöhen und die Preise drücken. Diesen Zusammenhang begreift jeder Grundschüler - aber Kupfer sagt wider besseren Wissens das Gegenteil - warum? Wem nützt er, und wem fügt er irreparablen Schaden zu? Er handelt, wie auch andere Bundesländer und die derzeitige Bundesregierung, als Marionette des mächtigen globalen Agro-Business, das nichts mehr mit Landwirtschaft zu tun hat.
In diesem Sinne schrieb Tier & Mensch einen Brief an Minister Kupfer.
Karin Ulich
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