Tier & Mensch e.V.
Schweinegroßmastanlage verhindern!
In Hassleben bei Templin (Uckermark) bestand bis 1991 eine Schweinemästerei mit ca. 140.000 Tieren. Seitdem versuchen Großinvestoren immer wieder, neue Tierfabriken zu errichten. Das konnte bislang verhindert werden. Z.B. war geplant, eine Anlage mit 600.000 Puten zu bauen. Auch dieses Vorhaben scheiterte glücklicherweise.
Nun will eine niederländische Firma ab 2005 eine Mästerei mit ca. 85.000 Schweinen in Betrieb nehmen.
Es steht zu befürchten, dass das Landwirtschaftsministerium diesmal dieses Vorhaben genehmigt. Wir protestieren auf das schärfste gegen diesen Plan und fordern alle Bürger auf, sich durch Protestbriefe und Eingaben dagegen auszusprechen.
Nähere Informationen über sybilla.keitel@berlin.de oder per Post von Ernst Pries, Ringofen 1, 17268 Templin (Tel.: 03987-2934)
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Geplante neue Schweinemästerei:
+ Der Investor van Gennip betreibt Schweinemastanlagen in den Niederlanden (insgesamt 25.000 Tiere) und Sandbeiendorf / Altmark (65.000 Tiere). Seine Beteiligungen an Mästereien in Weißrussland, Ukraine und MeckPom sind unklar.
+ Dr. H. Rehhahn, SPD, ehemals VEG-Chef einer 10.000-Jungrinderanlage bei Wittenberg, 1994 bis 1996 Landwirtschaftsminister in Sachsen-Anhalt, betreut jetzt als sein Unternehmensberater auch die Schweinemast-Neubauten von van Gennip in Mahlwinkel, Altmark, (80.000 Tiere, 7 km Abstand von Sandbeiendorf) und von Gebrüder Nooren in Allstedt / Merseburg-Querfurt (95.000 Tiere, größtes Vorhaben in Deutschland ).
+ Investitionsvolumen: 20 Mio. EUR, angeblich keine Subventionen, aber stark reduzierter Kaufpreis der Altanlage, Förderung von Infrastruktur durch die Gemeinde (Zufahrtswege etc.), Anlage liegt im Innenbereich des Dorfes, deshalb u.a. kein Raumordnungsverfahren.
+ Kennzahlen:
a) ab 2005/2006 Betrieb mit 84.300 Tieren = 10450 Großvieheinheiten ( GV)
b) 3.25 Mastdurchgänge pro Jahr
c) Jahresproduktion: 169.000 Mastschweine und 190.000 Ferkel
d) bei durchschnittlich 5% Verlust 18.000 Tierkadaver pro Jahr
e) Wasserbedarf: ca. 200.000 m3 pro Jahr
f) Gülle: ca. 190.000 m3 pro Jahr, Produktion von 700 bis 800 Tonnen Gesamtstickstoff vor Ort, Abprodukte entsprechen einer Stadt mit ca. 190.000 Einwohnergleichwerten
+ 7.500 Hektar Begüllungsflächen inkl. Altlastflächen, die nicht mehr begüllt werden dürften. Naturschutz- und FFH-Flächen werden oft in unmittelbar Nähe begüllt.
+ Der Stickstoff in der Gülle wird im Ausbringungsjahr nur zu 20 bis 30 % von den Pflanzen aufgenommen. Bei ordnungsgemäßer Begüllung können jährlich bis zu 1 kg schwer abbaubare Veterinärmedikamente (Antibiotika etc.) pro Hektar mit der Gülle ausgebracht werden, außerdem Biozide und Desinfektionsmittel.
+ Bisher nicht langfristig erprobte Abluftfilter sollen den Ammoniakausstoß um 70% reduzieren. Bleibt ein voller Ammoniakaustrag von 25.000 Tieren, der täglich mit 200 kg (263 m3) in die bereits geschädigten umliegenden Wälder getragen wird.
+ Da die Bahn stillgelegt wurde, ist Schwerlastverkehr mit LKW für Futter-, Gülle-, Tier- und Kadavertransport alle 3 bis 7 Minuten zu erwarten, etwa die Hälfte der Gülle muss über unfallgefährdete Straße Hassleben - Prenzlau gebracht werden.
+ Arbeitsplätze:
a) 50 Arbeitsplätze sollen entstehen (1700 Schweine pro AP ). Der Konzern „Smithfieldt Food" in North-Karolina ruinierte in 20 Jahren fast 25.000 Familienbetriebe. Er benötigt dort noch 2 Personen für 10.000 Schweine. Parallel zum Aufbau neuer Großmästereien in Ostdeutschland mussten allein 2003 etwa 7200 deutsche Landwirte ihre Schweinehaltung aufgeben (6,7 % in einem Jahr), jeder in der industriellen Mast geschaffene Arbeitsplatz kostet mindestens 10 in der deutschen bäuerlichen Landwirtschaft.
b) Die Attraktivität des Erholungsgebietes „Uckermark" wird verfallen. Viele Arbeitsplätze in Gastronomie, Pensionen, Ferienwohnungen, Töpfereien, Reiterhöfen etc. werden verloren gehen, der Wert der Grundstücke sinken.
+ Ein Raumordnungsverfahren (ROV) wurde vom Land Brandenburg (Landwirtschaftsminister Birthler) im Dez. 2003 für unnötig erklärt (in Allstedt / Merseburg-Querfurt, ist es nötig). Der Untersuchungsradius für Umweltbelastungen wird dadurch von 5.000 m auf 1.250 m reduziert. Naturschutz- und FFH-Gebiete sowie schon belastete Wälder fallen so aus den Untersuchungen heraus, Naturschutzorganisationen wird das Klagerecht erschwert.
+ Vor Abschluss des Genehmigungsverfahrens sollen bereits mit Sondergenehmigung der Kreisverwaltung Uckermark 900 Schweine (Zuchtläufer) ab Nov. 2004 eingestallt werden.
+ Mediendokumentation: Monitor 1996, ZDF Blickpunkt 2004, ORB Klartext 2004, privates Video der Protestdemo am 8.5.2004, Luftaufnahmen der Anlage

Ernst Pries, Templin-Fährkrug Oktober 04
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