Tier & Mensch e.V.

 

Stierkampfkinder

Stierkampf ist Tierquälerei, und viele Tierschutzorganisationen in ganz Europa kämpfen seit Jahren weitgehend erfolglos gegen dieses lukrative Geschäft der „Volksbelustigung", dem alljährlich 40.000 Stiere zum Opfer fallen. Sogar in den Stierkampfländern Spanien, Portugal und Frankreich ist die Bevölkerungsmehrheit gegen das grausame Spektakel. Am 23. Juni urteilte der Internationale Gerichtshof für Tierrechte in Genf, dass es verboten werden müsste, Stierkämpfe durchzuführen, bei denen die Tiere getötet, gequält oder geärgert werden. 

Bis es so weit sei 

- d
ürften nicht länger EU-Subventionen dafür gezahlt werden, 
- müsse der Passus im EU-Vertrag abgeschafft werden, der Tierschutz bei „religiösen Riten und kulturellen Traditionen" unwirksam mache, 
- müsse Jugendlichen der Zugang zu den Arenen verwehrt und Werbung verboten werden.

Leider hat das Gericht keine Autorität und nur symbolischen Charakter.

Derweil werden in ehemaligen spanischen Kolonien wie Peru, Kolumbien, Mexiko bereits Kinder ab 5 Jahren für den Stierkampf ausgebildet. Sie eignen sich besonders, weil sie ohne Angst in die Arena gehen. Doch sie riskieren lebensgefährliche Verletzungen. Aber es winkt sehr viel Geld - ein Grund für die Eltern, ihre Kinder in die Stierkampfschule zu schicken. Nun durfte ein in Südamerika ausgebildeter Zehnjähriger in einer südfranzösischen Stadt auftreten - sein Gegner war ein Kalb, und er durfte es nicht töten. So verlangten es die EU-Kinderschutzvorschriften, die er lächerlich fand. In seiner Heimat gibt es solche Einschränkungen nicht. Kann sich je eine sensible menschliche Gesellschaft entwickeln, wenn bereits Knirpse daran gewöhnt werden, Tiere zur puren Unterhaltung zu quälen und zu töten?

K. Ulich, September 2008

 
NEIN zur Stierkampfpropaganda
Appell von PAKT e.V.

Sehr geehrter Herr Dimas, sehr geehrte Abgeordnete des EU Parlaments und der EU –Kommission, mir ist Ihre Unterstützung der schriftlichen Erklärung 2/2007 zum einem EU-weiten Verbot von Stierkämpfen in guter Erinnerung. Nun bitte ich Sie wiederum, sich gegen diese Barbarei, bei der immer noch im Südwesten Europas Tausende von Stieren grausam zu Tode gequält werden, einzusetzen. Ich habe erfahren, dass am 4. und 5. Juni 2008 eine großangelegte Werbeveranstaltung für den Stierkampf im EU-Parlament geplant ist. 

Bitte versuchen Sie, diese Propagandaveranstaltungen der spanischen Stierquäler zu verhindern! Wenn es schon nicht gelingt, Stierkämpfe durch die EU zu verbieten, müsste zumindest erreicht werden, dass für die organisierte und in einigen EU-Staaten legalisierte Tierquälerei keine Propaganda in Ihrem Hohen Hause stattfindet. 

Ich bedanke mich im Voraus für Ihr Verständnis und Ihre Unterstützung im Namen der gequälten Tiere.

Mit freundlichen Grüßen,
Mariola Heinrich, März 2008

www.paktev.de

 

Boykottiert den Stierkampf
Der Urlaub in Spanien ist wieder gefragt. Viele denken in dem Zusammengang sofort an den Stierkampf. Dieser wird jedoch oft im falschen Licht gesehen. Verherrlichung macht es möglich, dass ein grausames Gemetzel zum „Traditionellen Kulturgut“ erhoben wird. Die Tierschutzorganisationen wollen durch Aufklärung dazu beitragen, dieser Tierschinderei ein Ende zu setzen. Denn es sind zum größten Teil die Touristen, für die jährlich mehr als 14.000 Stiere zu Tode gequält werden.
Schon der Name „Stierkampf“ ist irreführend. Denn der Stier will ja gar nicht kämpfen – er wehrt sich in Panik, weil ihm unerträgliche Schmerzen zugefügt werden.
Die Abschlachterei beginnt der „Pikator“, der den Stier durch Lanzenstiche reizt. In den Bereich dieser Wunden werfen die „Banderilleros“ sechs Harpunen, deren Widerhaken bei jeder Bewegung die Wunden vergrößern und peinigende Schmerzen verursachen. Wenn Blutverlust und Erschöpfung den Stier schließlich dazu zwingen, den Kopf zu senken, kommt der Torero, um ihm den Todesstoß zu versetzen. Das hat er vorher schon viele Male an wehrlosen Hausrindern auf dem Schlachthof geübt.
Einen Blick sollten wir auch auf die Pferde werfen: Es sind zum Teil – besonders auf den Dörfern – ausgediente Tiere, die immer wieder herhalten müssen, so lange sie sich nur auf den Beinen halten können.
EU-Abgeordnete nennen den Stierkampf scheinheilig eine „Notschlachtung“, um das EU-weit gültige Gesetz, welches das Schlachten nur unter Betäubung vorschreibt, zu umgehen. Der Umsatz von etwa 150 Mio. Euro im Jahr macht diese offensichtliche Rechtsbeugung bisher noch möglich. Sogar von der EU wird die Kampfstierzucht subventioniert.
Doch auf „Tradition“ kann Spanien kaum verweisen, sollten nicht auch mittelalterliche Hexenverbrennungen oder römische Gladiatorenkämpfe als Traditionen wieder ins Leben gerufen werden. Bereits 1567, vor mehr als 300 Jahren also, wurde von Papst Pius V. eine Bulle gegen Stierkämpfe und Kämpfe „mit anderen wilden Tieren“ erlassen, und weil sie gegen die „christliche Frömmigkeit und Liebe“ verstießen, wurden „derart grausame, schandbare und dämonische Schauspiele“ abgeschafft. Doch 1808 führte Joseph Bonaparte Stierkämpfe wieder ein. Er hatte es nötig, sich auf solche primitive Weise Sympathien zu verschaffen. Denn sein Bruder, Kaiser Napoleon, hatte den ungeliebten Franzosen gegen den Willen der Spanier zum König gemacht. Papst Paul VI. (1897 - 1978) verurteilte den Stierkampf wiederum als „verwerflichen Akt der Grausamkeit“.
In Spanien selbst hat sich schon seit Jahren eine Bewegung gegen den Stierkampf gebildet, die zunehmend an Einfluss gewinnt und bereits einige kleine Erfolge verbuchen kann. Dennoch ist kein Ende in Sicht. Denn die Kirche des streng katholischen Landes schweigt ebenso wie die Regierung. Und die geldschweren Touristen fallen den Bemühungen dieser Tierschutzorganisationen zu Tausenden in den Rücken. Meist geschieht das aus Unwissenheit, Gleichgültigkeit oder Neugier. Doch Umfragen haben ergeben, dass sich auch bei der spanischen Bevölkerung zunehmend eine Abneigung entwickelt gegen Stierkämpfe und ähnliche öffentliche Massaker an wehrlosen Haustieren.
So bleibt die Hoffnung, dass in absehbarer Zeit doch noch ein Schlussstrich unter dieses düstere Relikt aus längst vergangenen Zeiten gezogen werden kann.
Karin Ulich
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