Tier & Mensch e.V.

Wie überlebt ein Straßenhund?

Sepi kommt aus Ungarn und ist ein Mudi-Mix. Sie war ein Straßenhund und  wurde uns über die „Pfotenhilfe Ungarn“  vermittelt. Seit 36 Jahren haben wir Nothunde, die entweder ausgesetzt oder gequält worden waren. Von unserem geliebten Lottchen hatten wir uns im vorigen Jahr trennen müssen. Unsere  kleine Nelly brauchte Gesellschaft. Also zog Sepi bei uns ein. Zahlreiche Bissnarben an ihrem Körper zeugen davon, dass es wirklich ein Kampf war, auf der Straße zu überleben.

Nach weinigen Tagen in unserem Haus wuchs Sepis Selbstsicherheit, und sie begann, sich „häuslich“ einzurichten. Das bedeutete, wieder ihre Straßen-Gewohnheiten anzunehmen. Die weichen Körbchen wurden missachtet, stattdessen richtete sie sich zwei Lagre ein: ein sicheres Lager unter einem Tisch und ein „Zwischenlager“ davor. Dieses diente als Sammelplatz für alles: Sepi war den ganzen Tag damit beschäftigt, alle möglichen Dinge einzusammeln Schuhe, Taschen, Jacken, Papier, Esswaren – alles wurde auf diesen Platz gebracht und auf Verwertbarkeit geprüft. Man findet Schnürsenkel oder Einlegesohlen, die sie aus den Schuhen gezogen hat. Sogar das Spielzeug von Nelly hat sie unter deren Augen entwendet und zu ihrem Nest gebracht. Es geht ihr nur ihr darum,  die geringsten Spuren essbarer Dinge zu finden: Sie frisst sogar Haare aus den Lockenwicklern und Bürsten. Was sie nicht verwerten kann, bleibt liegen. 

Erstaunlich ist auch die ungeheure Geschicklichkeit, wie sie die Dinge sammelt: Sie hängt Jacken von Bügeln ab, schiebt die Taschen von Halterungen herunter, angelt sich die Klobürste aus dem Ständer. Sie nimmt alles in die Schnauze. Dazu kommt eine erstaunliche Wendigkeit. Sie ist blitzschnell, reagiert auf jedes Geräusch. Sie schläft mit „wachen Ohren“. Trotzdem hat Sepi sich zu einem fröhlichen, recht selbstbewussten und neugierigen Hund entwickelt. Wie fügt sie sich nun in ihre neue Welt ein? Bis jetzt war sie auf sich alleine gestellt, nun muss sie lernen, dass sie sich nicht mehr um alles selbst zu kümmern braucht. Sie muss noch lernen, dass sie uns ihr Leben  wirklich anvertrauen kann.

Erika und Ronny Metsch 

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