Billigfleisch dank Betrug, Schwarzarbeit und Tierquälerei



Eine Dresdner Leiharbeitsfirma steht unter Verdacht, vietnamesische Arbeiter illegal ins Land geschleust und zu miserablen Arbeitsbedingungen an Fleischfabriken vermittelt zu haben. Ende April wurde bei Razzien in sechs Bundesländern Beweismaterial sichergestellt.

Wiesenhof sorgt auch wieder für Schlagzeilen. Wie die Nordseezeitung am 28. April 12 berichtete, wird in der Unternehmenszentrale in Visbeck (Südoldenburg, Niedersachsen) und dem Geflügelschlachtbetrieb Möckern in Sachsen-Anhalt, wo täglich mehr als 100 000 Hühner getötet werden, wegen Subventionsbetrug ermittelt, da zwischen 2002 und 2010 EU-Export-Subventionen kassiert worden sein sollen, ohne dass der Betrieb in Möckern eine EU-Zulassung besessen habe.
Der für Möckern in der Unternehmenszentrale gesetzwidrig eingenommene Betrag belaufe sich auf 3,7 Millionen €, von denen aber nur die von 2007 bis 2011erhaltenen 900 000€ strafrechtlich nicht verjährt seien. In den Niederlanden habe Wiesenhof zusätzlich 1,1 Millionen € rechtswidrig kassiert. Wie hoch die in Möckern eingestrichene Ausfuhrunterstützung sei, ist noch nicht bekannt.
Parallel werden die Ermittlungen wegen Tierquälerei auf dem Geflügel-Zuchtbetrieb in Twistingen wieder aufgenommen. Das hat die Generalstaatsanwaltschaft in Celle angesichts des Ausmaßes der Vergehen durchgesetzt. Die Staatsanwaltschaft in Verden hatte vorher das Verfahren eingestellt, weil sie illegal aufgenommene Beweis-Videos für nicht auswertbar hielt.

Wegen Tierquälerei wird auch wieder gegen die Hühnerzuchtfirma Lohmann (LTZ), ein eng mit Wiesenhof verflochtener Konzern, ermittelt. Sie ist durch massenweise Verstöße gegen das Tierschutzgesetz bekannt. Peta hat Anzeige erstattet, weil Zeugen über das illegale Vergasen acht Wochen alter Hühner und die Entsorgung lebender Tiere in eine Mülltonne berichtet haben.

Skrupellose, bestialische Massentierhaltung ist weltweiter Standard. Ein Beispiel wurde kürzlich aus Chile bekannt: In der Stadt Freirina haben Anwohner gegen den Gestank einer Schweinemast mit
500 000 Schweinen protestiert. Nachdem die meisten Angestellten geflohen waren, blieben die Tiere ohne Wasser und Nahrung sich selbst überlassen, hunderte starben. Nun erklärte die Regierung den Gesundheitsnotstand und forderte den Konzern Agrosuper auf, die Tiere zu evakuieren. Dem Konzern ist der Abtransport mit 50 000 Lastwagen zu teuer, die Schweine werden nun alle getötet.

Unsere Regierung tut alles, damit die deutsche Tierindustrie ganz vorne im Geschäft mitspielt. Wieweit sich das Gesetz beugen lässt, wurde schon häufig demonstriert. Wir werden sehen, ob nun wieder Lohmann und Wiesenhof erfolgreich ihre Macht einsetzen werden, um sich aus der Affäre zu ziehen.

Karin Ulich
 

 

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