Bulle mit entzündetem Karpalgelenk am linken Vorderbein

 

Bullenmast im Kloster – ein Widerspruch

 

Als überzeugte Katholikin weise ich entschieden auf das Unrecht gegenüber Tieren hin, das auch in der ka­tholischen Kirche passiert. Es geht besonders um die Benediktiner Abtei Münsterschwarzach (bei Würz­burg) und das dazugehörige Kloster Damme (Kreis Oldenburg). Hier versuche ich seit Jahren, die verantwortlichen Mönche zu einem anderen Um­gang mit Fleisch zu bewegen. Denn in den Klöstern und angeschlossenen Gästehäusern wird Fleisch aus Massentierhaltung angeboten. Schon 2009 sprach ich Abt Michael Reepen an. Doch er wies auf das Leid bei Menschen hin und ließ mich stehen. 2013 hatte ich ein Gespräch mit dem bekannten Bestseller-Autor Pater Anselm Grün, der mir, was artgerechte Tierhaltung anginge, vollkommen zustimmte. Er versprach, die Informationsschriften von Tier & Mensch zu lesen, die ich ihm schickte– wenn er Zeit hätte. Im folgenden Frühjahr lernte ich den klostereigenen Bullenstall kennen und war erschüttert: Erwachsene Bullen lagen im Innenstall eng auf eng auf Spaltenböden und ihren glitschigen Exkrementen. Ich sah weder Stroh noch Heu. Einige schleckten an den Gitterstäben. Sie wirkten apathisch. Ein Bulle hatte außergewöhnlich dicke Beine. Es sieht erbärmlich aus, wenn ein Tier versucht, aufzustehen. Die jüngeren Kälber auf der anderen Seite des Stalles haben die Möglichkeit, einen sehr kleinen Auslauf  im Freien zu nutzen. Verhaltensauffälligkeiten wie das hektische Herausstrecken und unaufhörliche Kreisen der Zunge ließen mich erschaudern. In die traurigen Augen der Tiere zu sehen machte mich selbst zutiefst traurig. Ich schäme mich für die Menschen, die verantwortlich sind für so ein Leid und sich Christen nennen. In einem Brief, den ich daraufhin Pater Anselm schrieb, zitierte ich ihn aus einem seiner Bücher: Der Heilige Benedikt, nach dessen Regeln die Klostergemeinschaft lebt, schreibt über den Mönch: „Alle Geräte und den ganzen Besitz des Klosters betrachte er als heiliges Gerät. Nichts darf er vernachlässigen.“ Anselm Grün reagierte nicht. Im Juni hielt sein Stellvertreter Prior Pater Pascal einen Vortrag über die Regeln des heiligen Benedikts. Ich fragte, wie er die Bullenmast damit in Einklang brächte.  Mit leiser Stimme antwortete er, denen ginge es doch gut. Und Schweine würden sich ja schließlich auch gerne im Dreck suhlen!

Im Oktober hielt ich mich wieder in der Abtei Münsterschwarzach auf. Vorher hatte ich Anselm Grüns neues Buch zum Thema „Gier“ gelesen. In einem 12-Punkte-Plan zur Überwindung der Gier fiel mir Punkt 9 auf: „Die Gier in Mitgefühl verwandeln“ „...indem ich mit den Tieren fühle, werde ich sie nicht länger wie wertlose Ware in Schlachthöfen behandeln und voller Gier immer billigeres Fleisch kaufen wollen. ...Wer mit den Menschen, Tieren und  Pflanzen mitfühlt, der geht auch achtsam mit ihnen um. Die Gier macht blind für die Menschen, Tiere und Pflanzen um mich herum. Das Mitgefühl öffnet mir die Augen und gibt mir das Gefühl von Geborgenheit und Getragensein...Indem ich mir vorstelle, wie ich die Menschen, Tiere und Pflanzen durch meine Gier verletze, wird in mir das Mitgefühl mit ihnen geweckt. Denn ich glaube: Keiner ist so sadistisch, dass er sich auf Dauer an der Ausbeutung der Menschen, Tiere und Pflanzen freuen kann...“

Ich drückte gegenüber Abt Michael meine Freude über diese Passage aus und dass ich nun eine große Wende in der Tierhaltung erwarte. Sichtlich unruhig erwiderte er, Bullen könne man aus Sicherheitsgründen nicht auf die Weide lassen. Das ließ ich nicht gelten. Er versicherte mir auch, das zugekaufte Fleisch in der Klostermetzgerei stamme aus artgerechter Tierhaltung. Doch das widersprach meinen eigenen Recherchen. Es hat nicht einmal Bio-Qualität.

Mit Pater Anselm konnte ich, da er abwesend war, nur kurz während meiner Rückfahrt telefonieren. Auf meine Nachfrage bezüglich der Bullenhaltung sagte er mir, er sei in der Verwaltung tätig und verließe sich auf die Auskunft seines Landwirts, der ihm versichert habe, den Tieren ginge es gut. Als ich meine Eindrücke schilderte, wurde er ungeduldig, ich konnte ihm gerade noch sagen, dass er nicht über Mitgefühl für Tiere schreiben dürfte, wenn so ein Unrecht auf seinem eigenen Gelände passiere.

Gerne hätte ich ihm noch berichtet, dass ich am Vortag mit einem Mönch gesprochen hatte, der studierter Landwirt ist. Auch er sah die Haltung äußerst kritisch. Vor zwei Jahren hatte er den Auftrag bekommen, ein Gutachten über die Bullenhaltung zu schreiben mit Verbesserungsvorschlägen. Doch seine Arbeit verweile seither offenbar bei den Akten.

„Ich bin der Weg, die Wahrheit und das Leben“, hat Jesus Christus gesagt. Er hatte sich vehement gegen die Pharisäer, die Schriftgelehrten, gewendet: „...Die Schriftgelehrten und Pharisäer sitzen als Ausleger der Schrift auf dem Stuhl von Mose. Deshalb haltet euch an das, was sie euch sagen, aber folgt nicht ihrem Beispiel. Denn sie handeln nicht nach dem, was sie euch lehren...“ (Matthäus-Evangelium, 23. Kapitel)

Und hier gibt es Christen, die in der Lüge leben. Das macht mich wütend. Anselm Grün erklärt uns in seinen unzähligen Büchern, wie wir Jesu Worte verstehen können. Fehlt ihm die Selbstreflektion?

Ich selbst bin durch den Glauben bewusster für Mensch und Tier geworden. Dafür bin ich sehr dankbar.                          Text und Fotos: Beatrix Mosqueda-Steinhoff

zurück