Mitteilungsheft  Nr. 59 (Mai 2016)

 

Inhaltsverzeichnis:

 

Wir freuen uns, dass...

... die Stierkampfschule in Madrid geschlossen werden soll

... Comedian Kaya Yanar sich für Tiere engagiert

... Neuseeland mit dem „Animal Welfare Bill“ gesetzlich allen Tieren Gefühle bescheinigt

... Holland den Import von Trophäen stark ein­ge­­schränkt

... die Gatterjagd in Schleswig-Holstein verboten wurde

... ein schlimmer Übersetzungsfehler der EU-Schweinehaltungsrichtlinie korrigiert wurde

... Frankreich Neonikotinoide verbieten will

 

Wachsender Widerstand gegen Freihandelsabkommen

 

Lebenslang angekettete Kühe: Verbot längst überfällig!

 

Urin im Kraftfutter für Milchkühe

 

Verdienstorden für Tierarzt Dr. Hermann Focke

 

Weniger Lobbyisten dank Klage

 

Tiere liebkosen: Fingerspitzengefühl gefragt!

 

Naturfreunde

 

Der Affenberg am Bodensee

 

Exoten sind keine Heimtiere!

 

Wann ist Schluss mit Wildtieren im Zirkus?

 

Wir freuen uns, dass...

 

...der Stierkampf in Spanien immer weniger An­hän­­ger hat: Nach einer aktuellen Umfrage lehnen 57% der Bürger ihn ab! Nachdem Katalonien und die Ka­naren das Gemetzel bereits verboten haben, plant nun die Bürgermeisterin Manuela Carmena zusam­men mit dem Stadtrat, die Stierkampfschule in Ma­drid zu schließen. Die staatlichen Subventio­nen wur­den bereits gestrichen. Die Regionalre­gie­rung stemmt sich allerdings noch gegen das Aus der „Talentschmiede“, in der bislang 9- bis18-jährige zum Stierkämpfer trainiert werden.

                                            Quelle: Schwäbische Zeitung

 

...Comedian Kaya Yanar, bekannt geworden be­son­­ders durch die Fernsehsendung „Was guckst du“, ein prominenter Botschafter für Tierrechte ist. Er lebt vegan und äußert sich entschieden gegen Tier­versuche und Pelztragen. Er arbeitet mit den Tier­­schutz­organisationen Peta und VierPfoten zu­sam­­men und unterstützte den Aufbau der Hunde­auf­fang­station des Tierschutz-Teams Europa in Rös­rath bei Köln und ein Kastrationsprojekt für Stra­ßen­hunde im ungarischen Debrecen.

                        Quellen: Kölner Stadtanzeiger u. Geo-line

 

... die Regierung von Neuseeland per Gesetz fest­geschrieben hat, dass alle Tiere empfindungs­fähig sind und die gleichen Gefühle haben wie wir Men­schen. Dieses weltweit einzigartige Gesetz heißt „Animal Welfare Bill“ und trat im Februar in Kraft. Es wird erwartet, dass Tiermisshandlungen von Heim- und Nutztieren künftig bestraft werden, auch auf Tier­ver­suche und die Gefangenhaltung wilder Tiere müss­te es sich  positiv auswirken. Wir sind ge­spannt, wie das Gesetz nun mit Leben erfüllt wird und ob es Vorbildfunktion für weitere Länder hat. Quelle: gute-nachrichten.com

 

... der Import von Trophäen in Holland stark ein­ge­­schränkt und damit den Elefanten- und Löwenjä­gern der Spaß eingetrübt wird. Die Regierung hat die Trophäen weiterer 200 Tierarten auf den Index gesetzt. Wirtschaftsminister Martijn van Dam will sich nun für ein entsprechendes Gesetz auf EU-Ebene einsetzen.                     Quelle: Wild beim Wild

 

... der Kieler Landtag eine Änderung des Natur­schutz­gesetztes von Schles­wig-Holstein be­schlos­­sen hat, wonach in die Gatterjagd verboten wurde. Anlass ist das illegal betrie­bene Jagdgehege der Fa­milie Bismarck, in dem bei Ge­sellschafts­jag­den Tie­re ohne Fluchtmöglichkeit als leichte Beu­te ge­schos­­sen werden. 2014 hätten diese Gat­ter  nach einer Übergangszeit von 15 Jahren ge­schlos­sen werden müssen, doch die Bis­marcks kla­gen, da sie ihr Gewohnheitsrecht nicht aufgeben wollen. Damit dürften sie jetzt nicht mehr die Richter überzeugen können.                 Quelle: Wild beim Wild

 

... die „Albert-Schweitzer-Stiftung für unsere Mitwelt“ einen folgenreichen Übersetzungsfehler in der deut­schen Fassung der EU-Schweinerichtlinie aufge­deckt hat und erfolgreich auf Korrektur gepocht hat. Es ist nämlich vorgeschrieben, dass der Liegebe­reich „comfortable“ sein muss. Ins Deutsche wurde das mit „angemessen“ übersetzt. Nun heißt es tref­fender: „angenehm“. Das müsste ein Ende der Voll­spaltenböden  einläuten, denn sie sind keineswegs angenehm! Im Gegenteil: Die meisten Schweine  verletzen sich an den Klauen und Gelenken.     Quelle: Albert-Schweitzer-Stiftung

 

... die Nationalversammlung in Frankreich im Rah­men eines Gesetzes zum Erhalt der Biodiversität für ein dauerhaftes Verbot der bienengiftigen Neoni­koti­noide gestimmt hat. Bisher gilt in der EU ein vorläu­fi­ges Einsatz-Verbot. Frankreich will sich nun auch dafür einsetzen, dass diese Pestizide in der EU kün­ftig verboten bleiben. Das deutsche Land­wirt­­schafts­ministerium dagegen will das Verbot auf­wei­chen.                            Quelle: Meine Landwirtschaft

 

Politik / Nutztierhaltung

 

Wachsender Widerstand gegen Freihandelsabkommen

 

Wissenschaftler lassen kein gutes Haar an TTIP

 

In einem ausführlichen Beitrag zum anschwellenden Widerstand gegen die Freihandelsabkommen TTIP, Ceta und TISA grübelt der „Spiegel“ im Beitrag „Wir sind keine Handelsware“ (7.Mai 2016):

„Was Politiker dazu treibt, Bürger und Land zu verscherbeln, ist rätselhaft.“ Die Autoren ergänzen, dass die verantwortlichen Politiker gehen können, während Freihandelsverträge durch ihren völker­recht­lichen Charakter nur schwer wieder wegzu­kriegen sind.

Vor den schwerwiegenden Nachteilen der Frei­han­delsabkommen warnen Rechtswissen­schaftler und Wirt­schaftsfachleute in verschiedene Gutachten. Eins davon gab 2013 die britische Regierung in Auf­trag. Das Ergeb­nis war, dass kein Nutzen sondern große Ri­siken zu erwarten wären. Came­ron hielt das Gutachten jedoch eisern unter Verschluss und warb weiterhin für die Abkommen! Erst kürzlich wurde auf dem Rechtsweg die Veröffentlichung erzwungen. Auch eine Studie der Tufts University of Massachusetts führte zu einem ernüchternden Er­geb­nis: Bis 2025 würde TTIP 600 000 europä­ische Arbeitsplätze vernichten, und die Bürger stünden vor Einkommensverlusten zwischen 165,- € und 5500 € pro Person. Soweit zu den Wachstumsver­spre­chen der Politiker!

Kein Wunder, dass sich immer mehr Europäer dem Widerstand anschließen. Am 23.April nahmen etwa 90 000 Bürger – aufgeklärte, engagierte Menschen – teils weite Wege in Kauf, um in Hannover zu pro­te­stie­ren. Anlass war die TTIP- Propagandainsze­nie­rung von Kanzlerin Merkel und Präsident Obama am Tag darauf bei der Hannovermesse. Natürlich waren auch Aktive von Tier & Mensch angereist!

Volksbegehren gegen Ceta in Bayern

 

Am selben Tag weckte eine Nachricht die Hoffnung, Ceta verhindern zu können: In Bayern wird ein Volks­ent­scheid angestrebt, der im Erfolgsfalle Seehofer zwingen würde, Ceta im Bundesrat abzu­leh­nen. Diesen Plan entwickelten die fünf große Organisationen Campact, Umweltinstitut München, der BUND, Mehr Demokratie und die katholische Arbeiterbewegung. Da die EU fürchtet, dass die Ra­ti­fizierung von Ceta nicht reibungslos verläuft, ist vorgesehen, das Abkommen vorläufig in Kraft zu setzen, ohne die Zustimmung der Parlamente ab­zuwarten. Geht es undemokratischer? Ceta hat dieselben Mängel wie TTIP: So wird das Vorsorge­prin­zip vernachlässigt, zudem können Konzerne mit Klagen die Staatskassen plündern und die Gesetz­ge­bung nach ihren Vorstellungen beeinflussen.

 

Diffamierungen und Lügen

 

Die EU versucht schon lange, mit einer beträchtli­chen Summe von Steuergeldern das Image der Frei­handelsabkommen aufzupolieren. Gabriel und Unionsabgeordnete versuchen herabwürdigend und diffamierend, die Stopp-TTIP-Bewegung in die Ecke „einfach strukturierter“ Nachläufer einer profitorien­tierten „Empörungsindustrie“ und hysterisch zu sein oder zur Pegida-Bewegung zu gehören. Diese Po­liti­ker machen sich unglaubwürdig und lächerlich. Thilo Bode drückt das so aus: Er hat „...noch kein politisches Vorhaben erlebt, bei dessen Vertei­di­gung Regierung und Minister uns derart permanent und dreist belügen und einseitig Partei für die Kon­zerne ergreifen.“

Trotz alledem sehen nach dem aktuellen „ARD-Deutschlandtrend“ nur noch 17% der Deutschen Vorteile, während 70% der Befragten die Freihan­delsabkommen entschieden ablehnen.

 

Greenpeace-Leak

 

Wie gerne hätten die EU-Kommission und die deut­sche Regierung die Abkommen unter dem Diktat der Groß-Konzerne im stillen Kämmerchen aushan­deln und beschließen lassen!

Doch damit sind sie gründlich gescheitert. Nachdem immer wieder Einzelheiten der Pläne durchgesickert sind, hat Greenpeace am 2. Mai Schluss gemacht mit der „Freihandelslüge“ (Titel des Bestsellers von Thilo Bode) und geheime TTIP-Verhandlungsdoku­men­te mit einer spektakulären Aktion öffentlich ge­macht: Mit einer Lichtprojektion wurden Textteile riesengroß an den Reichstag projiziert und ein glä­ser­nen Lesesaal vor dem Brandenburger Tor der Öffentlichkeit zur Verfügung gestellt. Im Internet sind die Texte natürlich auch zugänglich – unter „https://www.ttip-leaks.org/“.

Mit der Veröffentlichung der streng geheimen Ver­hand­lungsunterlagen durch Greenpeace wurde der un­glaub­lichen Geheimniskrämerei ein Ende gesetzt. Die Mahnungen der Kritiker haben sich bestätigt, die schlimmen Erwartungen wurden sogar übertrof­fen. So auch der Verdacht, dass die europäische Landwirtschaft dem Import von extrem tierquäleri­schen und gen­manipulierten Agrar­­erzeugnissen aus den USA  geopfert werden soll, um im Gegenzug den Import europäischer Autos in die USA zu erleich­tern. Gerne würden nun viele Bundestagsab­geordnete das sinkende Schiff verlassen und dis­tan­zieren sich von den Freihan­dels­plänen. Z.B. rückt der CDU-Bundes­tags­abgeordnete Conradi mit einer Einschätzung her­aus, die der Wahrheit näher kommt: Er meint, die Greenpeace-Veröffentlichun­gen böten doch kaum Neues – die Forderungen der USA seien nichts anderes als die seit langem ge­stell­ten Forde­rungen der amerikanischen Groß-Industrie. Er gibt also zu, dass die Gewinninteres­sen der Konzerne der Altar sind, auf dem Demokra­tie und Bürgerrech­te geopfert werden sollen? Hillary Clinton formuliert das übrigens so: TTIP und Ceta sollen die WTO ab­lösen und eine „Wirtschafts-NATO“ schaffen. Dazu ge­hören zweifellos auch die TISA-Verhandlungen, bei denen es um die Privati­sie­rung der kommunal verantworteten Bereiche wie Trinkwasser, Gesund­heits­vorsorge und weitere sozia­le Einrichtungen geht.

 

Augen zu und durch?

 

Doch die beiden mächtigen Frauen, Bundeskanz­lerin Angela Merkel und EU-Handelskommissarin Cecilia Malmström scheinen TTIP durchpeitschen zu wollen. Es klingt wie eine Durchhalteparole, wenn Merkel sagt: „Wir halten den zügigen Ab­schluss eines ehrgeizigen Abkommens für sehr wichtig“

Werden sie es schaffen, gegen alle Widerstände alle EU-Bürger unter das Joch der eiskalten Profit­inter­essen weltweit agierender Großkonzerne zu zwingen? Wir denken: Merkel und Malmström können sich noch so beeilen: Der Bürgerprotest wächst schnel­ler!                                              K. Ulich                                                          

 

Lebenslang angekettete Kühe:

Verbot längst überfällig!

 

Zu dem Beitrag "Bauernverband wehrt sich gegen An­bindeverbot" in der Schwäbischen Zeitung vom 25.4.16 schrieb Helga Semrau folgenden Leser­brief, der - nachdem sie  mehrfach telefonisch nach-gehakt hatte - am 11. Mai veröffentlicht wurde:

 

„Wenn es um eine Verbesserung im Tierschutz  (eigent­lich genau genommen um die Einhaltung des Tier­schutzgesetzes) geht, ist der Bauernverband dagegen und argumentiert dann mit den Nöten der kleinen Bauernhöfe. Das Herz des Bauernverban­des schlägt jedoch hauptsächlich für die industrielle Agrarwirtschaft. Heißt die Devise nicht "wachsen oder weichen"? Aber die industrielle Massentierhal­tung mit ihrer Überproduktion ist die Ursache des Preis­verfalls und ruiniert die kleinbäuerliche Land­wirtschaft.

Laut Beschluss des Bundesrates vom April 2016 soll die Ganzjahresanbindung von Rindern verboten werden mit einer Übergangsfrist von 12 Jahren (!!).

Nach dem Tierschutzgesetz wäre das Verbot längst überfällig! In § 2 steht: "Wer ein Tier hält .....darf die Möglichkeit des Tieres zu artgemäßer Bewegung nicht so einschränken, dass ihm Schmerzen oder ver­meidbare Leiden oder Schäden zugefügt werden".

Bei einer Ganzjahresanbindung kann die Kuh/das Rind nur stehen, liegen, 1 bis 2 Schritte vor, zurück, seitwärts machen. Das ganze Leben verbringen die ar­men Tiere, denen wir alle viel zu verdanken ha­ben, auf einem kleinen Fleck hartem Boden, meist ohne Einstreu. Sie können sich nie umdrehen, nicht kratzen, nicht bequem liegen, spüren nie Sonne, nie Regen. Dass so wenig Bewegungsmöglichkeit über Jahre hinweg zwangsläufig zu Leiden, Schmerzen und Schäden führt, ist doch tiermedizinisch belegt und mit ein wenig Einfühlungsvermögen leicht nach­vollziehbar.

Eine Anbindehaltung nur im Winter und Weidehal­tung im Sommerhalbjahr ist von dem Anbindeverbot (sofern es überhaupt kommt) nicht betroffen und ist in dieser Form auch aus Sicht des Tierschutzes ak­zeptabel und fair.

In Bayern gibt es eine Weideprämie als Belohnung/An­reiz für die Weidehaltung.  Helga Semrau, Lindau

 

Ergänzung: Neben dem Bundesrat machen auch die Bür­ger Druck auf das Landwirt­schaftsmini­ste­rium: Seit Januar hat die Welt­tier­schutzgesell­schaft bereits 200 000 Unter­schrif­ten für ihren zusammen mit Provieh erarbeiteten Ver­ord­nungsentwurf zur Milchkuhhaltung gesam­melt. Darin werden unter an­­derem die Pflich­t zu Weide­hal­tung und Auslauf gefordert.  

 

Urin im Kraftfutter für Milchkühe

 

Wer mag Urin-Milch? Wer Billig-Milch trinkt, kriegt sie heutzutage meistens. Der niedrige Milchpreis hat viele Milchbauern zum Aufgeben gezwungen, andere versuchen, beim Futter einzusparen. Teures Sojaschrot kann z.B. teilweise durch Harn­stoff er­setzt werden. Er stammt aus Urin und Hühner­kot. In Notzeiten können Rinder nämlich eine Zeitlang über­leben, indem sie Harnstoff mit Hilfe ihrer Pan­senbakterien über die Zwischenstufe Ammoniak zu Protein umsetzen. Doch das vertragen die Tiere nur vorübergehend und in geringen Dosen. Grundsätz­lich werden bei einem hohen Proteingehalt im Fut­ter, also auch bei einem hohen Sojaanteil, Leber und Nieren geschädigt. Deshalb ist die Lebens­erwartung der Kühe auf etwa vier Jahre gesunken. Die Fütterung mit Urin-Extrakten verschärft das Problem noch. Das stört einige große Mischfutter­her­steller und Bauern jedoch wenig, sie setzen im­mer noch auf hohe Milchleistung. Die Harnstoffver­fütterung ist bereits gängige Praxis! Mit dieser Mehr-Und-Billig-Strategie kann die weltweite Milch­krise nicht gelöst werden. Der einzige Weg wäre die gesunde Weidehaltung und Heufütterung – die na­türliche Nahrung der Wiederkäuer. Damit geben sie zwar geringere Milchmengen als die überzüchteten und widernatürlich ernährten Artgenossen, bleiben aber gesund und leben viele Jahre länger, was sich auf die Bilanz des Hofes positiv auswirkt.

Übrigens: Laut dem Ernährungsre­port 2016 des BMEL verlan­gen fast 90% der Ver­braucher eine art­gerechte Tierhaltung und möchten über die Hal­tungs­bedingungen auf den Verpackun­gen der Tier­produkte informiert werden.                       Karin Ulich

 

Verdienstorden für Tierarzt

Dr. Hermann Focke

 

Von Herzen gratulieren wir Dr. Hermann Focke! Dem ehemaligen Amtstierarzt wurde am 30. März das niedersächsische Verdienstkreuz am Bande durch Landwirtschaftsminister Christian Meyer über­reicht. Damit wird sein mutiger, beharrli­cher Einsatz für den Tierschutz nun endlich von dem Bundesland gewürdigt, das ihn während seiner Amtszeit massiv an seiner Arbeit gehindert hatte, nämlich: das Tier­schutz­recht anzuwenden und durchzusetzen. Seine Bemühungen, auf der Grund­lage des geltenden Rechts den wachsenden Missständen in den vor al­lem in seinem Kreis Cloppenburg zunehmenden Mas­sen­tierhaltungen entgegenzutreten, wurden ener­gisch blockiert. Er wurde mit Diszipli­narverfah­ren unter Druck gesetzt, teilweise sogar seiner Auf­ga­ben entbunden. Tiertransporte verfolgte er auf eigene Kosten in seiner Freizeit, um Gesetzverstö­ße dokumentieren zu können. Auch diesen Bereich entzog ihm die übergeordnete Behörde, als seine Recherchen öffentlich wurden. Seit seinem vorzeiti­gen Ausscheiden aus dem Öffentlichen Dienst wid­met er sich ungehindert der Aufklärungsarbeit über das Tierleid in industriellen Massentierhaltungen und den Missbrauch von Antibiotika durch seine Bü­cher, die Mitarbeit in kritischen Gremien wie dem „Tierärztlichen Forum für verantwortbare Landwirt­schaft“, dem „Wissenschaftsforum Aviäre Influenza“ und engagierte Vorträge und Fachartikel. So bleibt er seiner Überzeugung treu, gegen das Unrechts­sys­tem anzugehen: „Seit Bestehen der Menschheit hat es kein solches Ausmaß an Tierquälerei gege­ben – sowohl was die Quantität als auch die Quali­tät angeht – wie in der heutigen Zeit.“ Es bleibt zu hoffen, dass sich amtierende Amtstierärzte von sei­ner Gradlinigkeit, seinem Berufsethos angespornt und ermutigt fühlen, sich ebenfalls im Sinne des Tier­schutzrechts einzusetzen. Es ist auch heute noch eine schwere Aufgabe. Quelle: Vetimpulse            

              

Die Bücher von Hermann Focke:

 

„Tierschutz in Deutschland – Etikettenschwindel?“ (2006)

„Die Natur schlägt zurück – Antibiotikamissbrauch in der intensiven Landwirtschaft“ (2010)

„Die Antibiotika-Lüge – Massentierhaltung und Antibiotikamissbrauch“ (2015)

 

Diese Bücher möchten wir Ihnen ans Herz legen! Sie erklären gut verständlich, warum Massentierhaltung grausam den Tieren gegenüber, gefährlich für die menschliche Gesundheit und untragbar für die Natur ist.

 

Weniger Lobbyisten dank Klage

 

Am 11. Mai meldete der „Tagesspiegel“, dass Parla­mentspräsident Norbert Lammert (CDU) die Zahl der  Hausausweise für den Bundestag für Lob­by­isten in diesem Jahr drastisch reduziert hat – von 2.000 auf weniger als 500.
Die Zugangsregeln wurden verschärft, Unterneh­mens­lobbyisten erhalten nun keine Hausausweise mehr. Diese wichtige Änderung ist der erfolgreichen Transparenzklage von abgeordnetenwatch.de ge­gen den Bundestag vom letzten Jahr zu verdan­ken.
Es fehlt nur noch ein wirkungsvolles Lobbyregister.

Quelle: abgeordnetenwatch.de

 

 

Heimtiere und Exoten

 

Tiere liebkosen:

 Fingerspitzengefühl gefragt!

 

Es beruhigt und macht Spaß, Katzen, Kaninchen und andere kleine Tiere auf den Arm zu nehmen und zu streicheln. Doch gefällt es auch den Tieren?

Gerade Nagetiere, wie Meer­schwein­chen und Ka­ninchen sind kei­ne Kuscheltiere! Wir finden es nied­lich, wenn ein strah­lendes Kind ein Häschen an sein Herz drückt – aber fühlt sich das Tier auch wohl da­bei? Wir ver­ges­sen leicht, dass Nagetiere die To­des­­angst eines Beutetieres empfinden, wenn sie von oben aus dem Käfig gegriffen und hochge­hoben werden. Leider sieht man ihnen die Furcht nicht an – meistens rüh­ren sie sich nicht. Doch un­abhängig davon löst es bei allen Tieren Schreck und Unbehagen aus, wenn sie bei ihrer Tätigkeit gestört werden, weil ein Mensch gerade Lust auf Schmusen hat. Das gilt übrigens auch für uns Men­schen. Wer beschäftigt ist, konzentriert sich darauf, sei es nun Essen, Körperpflege, Spiel mit den Art­ge­nossen und will nicht gestört werden. Besonders schlimm­ ist der Schreck, wenn man unerwartet be­rührt wird, zum Beispiel von hinten, oder gar aus dem Schlaf geschreckt wird. Wir alle kennen diese Gefühle aus eigener Erfahrung. Wir wissen auch, wie gerne wir uns als Kind einigen Verwandten ent­zogen haben, deren Begrüßungs-Liebkosungen wir als aufdringlich empfanden. Nicht anders geht es den Tieren, deren Individualdistanz immer wieder durch Streicheln, an sich Drücken oder Hochheben verletzt wird. Auch die geduldigen Hunde finden die Streicheleinheiten nicht immer angebracht, auch wenn sie meistens zu demütig oder höflich sind, uns zu zeigen, dass sie sich belästigt fühlen. Katzen drücken ihren Unmut oft deutlicher aus. Das Bedürf­nis der Menschen, Tiere zu herzen, ist im Ursprung egoistisch und hat mit Tierliebe nichts zu tun. Wer wirklich tierlieb handeln will, muss zunächst sehr viel über ihre artgemäße Lebensweise und ihre Be­dürfnisse lernen und ihnen ein entsprechendes Le­bensumfeld ermöglichen. Als erstes muss man dann ein tiefes Vertrauensverhältnis zu seinen Tie­ren aufbauen, was sehr viel Zeit und Zuwendung und regelmäßige zuverlässige Versorgung bedeu­tet. Die Tiere haben eine genaue Uhr in sich! Durch Locken mit Leckerbissen, Beobachten, Reden und Singen gewöhnt man die Tiere allmählich an ihre Men­schen. Schließlich kommen sie von selbst und zeigen, wenn sie gestreichelt werden wollen. Denn alles hat seine Zeit! Es ist äußerst rücksichtslos, wenn wir denken, diesen Zeitpunkt bestimmen zu müssen: Da auch die Tiere das Recht haben, die Streicheleinheiten zu genießen, müssen wir uns da­nach richten, wann sie sich uns zuwenden. Wer sei­ne Tiere gut kennt und das nötige Einfühlungsver­mö­gen besitzt, erkennt, wann Kuscheln und Strei­cheln nicht Stress und Ärger, sondern Freude auch für die Tiere bedeutet.

 

Anregungen zu diesem Artikel fand ich in Veröffent­lichungen der Tierärztin und Ethologin Celina del Amo. Sie hat Fachbücher zur Hundehaltung ge­schrieben, gibt Seminare und hält Vorträge.

Ihre Bücher sind beim Verlag Ulmer erschienen

Eine Auswahl ihrer Bücher:

„Der Hundeführerschein: Sachkunde – Basiswissen und Fragenkatalog“

„Sachkundenachweis für Hundehalter“, „Probleme mit dem Hunde verstehen und vermeiden“

 

 

Naturfreunde

 

Überraschend eindeutig ist das Ergebnis einer aktu­ellen Umfrage des Bundes­umwelt­ministe­riums: Für 94% der Befragten gehört die Natur zu einem guten Leben dazu. 92% verbinden Natur mit Gesundheit und Erholung, ebenso viele wollen ihren Kindern die Natur nahe bringen. 91% sehen chemische Schäd­lings- und Unkrautbekämpfung als schädlich an. 83% befürworten strengere Gesetze in der Land­wirt­schaft, selbst wenn dadurch die Lebensmittel teu­rer werden. Das ist eine klare Forderung an die Politik!

Ich frage mich nur: Warum sieht man kaum Gärten, in denen Blumenwiesen und einheimische Sträu­cher und Bäume blühen? Gerade in den Siedlungs­ge­bieten der Dörfer sind die Gärten mit ihren ge­schorenen Rasenflächen und Tuja- oder Kirsch­lorbeerhecken leblos und ge­ben der natürlichen Entwicklung heimischer Wild­blumen, Grashüpfer, Schmetterlinge und Vögel oder Igel kei­ne Überle­bens­chance. Mehr Taten als Worte wä­ren bitter nötig!                                                         Karin Ulich

 

Der Affenberg am Bodensee

 

Wer bei uns Affen beobachten möchte, geht in den Zoo, wo diese Tiere allerdings ihre Verhaltenswei­sen nur recht beschränkt ausleben können – ganz zu schweigen vom Zirkus. Allerdings gibt es einen Ort im Lande, wo ihnen eine artgerechte Lebens­weise gestattet ist: Es ist der Affenberg bei Salem.

Auf einem 20 ha großen umzäunten Wald- und Wie­senhügelgelände leben an die 200 Berberaffen ganz­jährig in Freiheit, denn sie können auch im Winter draußen leben. Jeder Besucher kann sie innerhalb des riesigen Geheges ungestört beob­achten. An schönen Wochenendtagen stehen mehr Menschen auf den Wegen, die durch das Gehege führen, als es dort Affen gibt! Es ist erlaubt, sie mit Popcorn zu füttern, das man zusammen mit der Ein­trittskarte erhält. Popcorn ist Kalorienarm, daher be­steht keine Gefahr, dass man sie überfüt­tert. Die Tie­re verspeisen die Körner, die sie den Be­suchern aus der Hand nehmen, recht bedächtig.

Sie werden regelmäßig mit Obst, Gemüse und Ge­treidekörnern gefüttert. Sie zu streicheln ist aller­dings verboten. Man sollte ihnen auch nicht zu tief in die Augen blicken: Das würden sie als Provo­kation empfinden und möglicherweise aggressiv reagieren. Eine solche Erfahrung kann man auch bei Haustieren machen.

Vor allem für Kinder ist der Affenberg von Salem, empfehlenswert, denn sie können die Tiere in ihrer natürlichen Lebensweise erleben. Es macht großen Spaß, gerade die jüngeren Affen übermütig im Wald klettern, springen und schaukeln zu sehen.

Berberaffen leben in Marokko und Algerien im At­las­gebirge, wo sie sehr selten geworden sind. Auch auf Gibraltar lebt eine Gruppe völlig frei. Deren Vor­fah­ren wurden aus Nordafrika dorthin gebracht.

An das Affengehege von Salem schließt sich eine Pflege- und Aufzuchtstation für Störche an. Zah­­l­reiche Störche leben nun frei dort und bauen auf Nisthilfen auf Pfählen, in Bäumen und auf den Dä­chern eines ehemaligen Gutshofes ihre Nester. Sie sind ohne scheu, so dass man sie aus der Nähe be­trachten kann. Im Frühling hört man ihr Klappern weit­hin. Wer mal Ferien am Bodensee macht, sollte nicht versäumen, den Affenberg zu besuchen! E. Ulich

 

Exoten sind keine Heimtiere!

 

Exotische Wildtiere sind zwar keine Heimtiere wer­den aber, angefeuert durch den Tierhandel, Messen und das Internet, in rasch zunehmender Zahl von Pri­vat­leuten gehalten. Es ist ja nicht einmal ein Sach­kundenachweis nötig, auch die Personalien der Käufer bleiben unbekannt, so dass Haltungs­kontrollen nicht möglich sind.

Die Haltung von allen Wildtieren aus dem Ausland hätte von Anfang an verboten werden müssen! Es reicht nicht, den Import einiger seltener Arten zu ver­bieten. Nun ist es ungleich schwerer, ein Verbot durchzusetzen, nachdem sich eine lobbystarke In­dustrie um den Handel mit exotischen Tieren ent­wickelt hat. Aber es wäre aus zahlreichen Gründen bitter nötig:

Beim Fang wird die Natur geplündert, was die Exi­stenz einiger Arten gefährdet. Die gefangenen Op­fer erwartet ein Schicksal voller Leid. Bereits bei den Massentransporten stirbt oft der größte Teil der Tiere qualvoll. Die meisten der überlebenden Repti­lien, Amphibien, Säugetiere, Fische, Vögel oder Spin­nen vegetieren bei unwissenden Haltern jäm­mer­lich dahin, ein großer Teil stirbt nach einiger Zeit, andere werden schließlich lästig oder zu groß. Wer nicht zu Tode vernachlässigt wird, kann das Glück haben, in ein Tierheim oder eine Auffangsta­tion gebracht zu werden. In Niedersachsen sind es jährlich etwa 500 Tiere, derer sich ihre Halter so ent­ledigen. Viele werden aber auch irgendwo in der Natur ausgesetzt. Das ist zwar aus gutem Grund verboten, da einige Tiere fremde Krankheiten mit­brin­gen, die sich dann schnell verbreiten können. So sterben mittlerweile viele heimische Amphibien an einer südamerikanischen Pilzkrankheit, gegen die sie keine Immunität bilden können. Nun verbrei­tet sich eine tödliche Krankheit von Holland aus un­ter den Salamandern und Molchen. Außerdem kön­nen sich einige Arten in unseren Breiten ansiedeln und ansässige Arten verdrängen.

Rechtfertigt so viel Leid die Eitelkeit, etwas Beson­de­res zu besitzen?

Auch durch Züchtung werden exotische Wildtiere keine Heimtiere. Ihre Bedürfnisse können sie in Gefangenschaft meist nicht befriedigen. Ein artge­rechtes Leben ist nur in ihrer Heimat möglich, das gilt auch für gezüchtete Nachfahren der Wildtiere.                                                                           Karin Ulich

                                                            

         

Wann ist Schluss mit Wildtieren im Zirkus?

 

Vor kurzem wurde der 22jährige Ben, einer der letz­ten Zirkusbären, in Plattling (Erding, Bayern) von der Veterinärbehörde beschlagnahmt. Ihn erwartet nun statt des dunklen Käfigs wahrscheinlich ein Le­ben in einem Bärenfreigelände in Mecklenburg-Vor­pommern, denn in den Zirkus kommt er nicht zu­rück. Die Klage hat der Zirkus verloren und seine Berufung zurückgezogen. Die Klage gründete sich auf die in der Verfassung garantierte Berufsfreiheit. Manche Richter ließen sich von dieser Argumenta­tion überzeugen: So setzte sich Zirkus Krone gegen die Auftrittsverbote mit Wildtieren in Chemnitz und Darmstadt durch. Doch andere Kommunen können ungehindert ihre Plätze jedem Zirkus verwehren, der Elefanten, Tiger und andere Wildtiere mit sich führt. Gegen diesen regionalen Rechtswirrwarr hät­te die Bundesregierung schon längst mit einem Ge­setz reagieren müssen: Bereits 2011, 2013 und vor kurzer Zeit nun wieder hat der Bundesrat vom Land­wirt­schaftsministerium ein bundesweites Wildtier­ver­bot im Wanderzirkus verlangt, das sich jedoch nicht darum schert. Doch auch die Bevölkerung lehnt mit großer Mehrheit (65% - nach einer Umfra­ge von You Gov) das Leid der Zirkustiere ab. Nach Ansicht der Bundestierärztekammer ist artgerechte Haltung im Zirkus schlicht unmöglich.                                                                                                                                 Karin Ulich

 

 

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