Klimagipfel:

Agrarindustrie als wesentlichen Verursacher in die Pflicht nehmen!

 

Tierärztinnen und Tierärzte des Forums für verantwortbare Landwirtschaft fordern die Regierungen auf:

 

Angesichts des hohen Beitrags der Agrar-Industrie und ganz besonders der industriellen Tierproduktion zum Klimawandel muss umgesteuert werden hin zu einer klimaneutralen, ökologischen, naturverträglichen Landwirtschaft.

Nach dem Verursacherprinzip gilt es, die von der Agrar-Industrie zu verantwortenden CO2-Äquiva­lente wirksam zu besteuern bzw. zu unterbinden.

 

Wir erläutern unsere Forderung:

 

Der Klimawandel nimmt beängstigend Fahrt auf. Von nachhaltigem Umgang mit den Lebensgrundlagen ist kaum noch die Rede. Wir erwarten vom Klimagipfel in Paris einschneidende Maßnahmen zum Schutz der Lebensgrundlagen. Das funktioniert nur durch sehr achtsame Nutzung der Grund-Ressourcen: biologische Vielfalt, Boden, Wasser, Luft.

Die Agrar-Industrie ist ein Hauptverursacher des Klimawandels. Gerade durch die sog. Massentierhaltung entstehen erhebliche Mengen an Treibhausgasen. In Wohlstandsländern tragen die Tierprodukte vermutlich weit mehr als 20% der Treibhausgase bei, sofern man die im Ausland durch Futtermittelproduktion, Dünger und die dafür notwendige Änderung der Flächennutzung entstehenden Gase berücksichtigt.

Das bei der Verwendung von synthetischem Stickstoffdünger frei werdende Lachgas (N2O) leistet den größten Beitrag der Landwirtschaft zum Klimawandel (Europäisches Stickstoffassessment 2011): Lachgas ist mehr als 300mal so klimarelevant wie CO2!

 

In Deutschland betrug laut Umweltbundesamt  der Beitrag der Tierproduktion zu den Treibhausgasen 2010 zwischen 16% und 21%, dabei sind die durch den Futtermittelanbau im Ausland erzeugten CO2-Äquivalente noch nicht berücksichtigt.  Weltweit werden nach dem Weltagrarbericht (IAASTD, 2010) für die Tierproduktion 18%, nach einer FAO-Studie (2015) 14,5% vermutet.

Der Weltagrarbericht wurde im Auftrag der Weltbank von sieben Organisationen der Vereinten Nationen (UN) und mehr als 400 Experten aus aller Welt vier Jahre lang erarbeitet.

Bearbeitet wurde erstmals die Frage, welche Rolle die Ausrichtung der Agrarforschung und –lehre für die Übernutzung, Vergeudung, Verschmutzung und Zerstörung natürlicher Ressourcen spielt. Das Ergebnis der Untersuchung war, dass Forschung und Lehre überwiegend Teil des Problems sind, statt Teil der Lösung zu sein.  Als Lösung für die Zukunft wird eine nachhaltige Landwirtschaft gesehen: Besonders nachhaltig und klimaverträglich ist ökologische Kreislaufwirtschaft, die am besten in kleinräumigen, regionalen Landwirtschaftsstrukturen verwirklicht werden kann.

 

Folgende Einflüsse der „modernen“, intensiven Landwirtschaft befeuern den Klimawandel:

 

-          Änderung der Landnutzung: Bei Waldrodungen, ganz besonders Brandrodungen, entweichen erhebliche Mengen an CO2 in die Atmosphäre. Bei Umbrüchen von Savannen- oder Wiesenland zu Ackerland wird der Mutterboden zersetzt und das darin gebundene CO2 freigesetzt.  Pro Tonne Humus wird die Atmosphäre mit 1,8 Tonnen CO2 belastet! Mit dem Verlust des CO2 geht die Bodenfruchtbarkeit verloren.

-          Die Umwandlung von Torf- und Moorböden wirkt sich extrem klimaschädlich aus. Torfschichten haben sich in Zehntausenden Jahren viele Meter dick aufgebaut und binden riesige Mengen CO2.

-          Die Herstellung von Kunstdünger und Pestiziden für den Soja- und Getreideanbau, sowie die Medikamente (Antibiotika!) für die Massentierhaltung sind äußerst energieaufwändig.

-          Beim Einsatz von Kunstdünger und Gülle wird Lachgas frei. Es ist mehr als 300mal so klimaschädlich wie CO2!

-          Wiederkäuer bilden Methangas. Es entsteht auch in Gülle. Methan wirkt 25mal so klimaschädlich wie CO2. Werden Rinder, Schafe und Ziegen mit Getreide gefüttert, ist das für sie nicht nur ungesund, sondern die Klimafolgen sind auch gravierend. Nachhaltiges, extensives Beweidungsmanagement (unter Vermeidung einer Über- bzw. Unterbeweidung) hat das Potenzial, klimaneutral zu sein. Denn nachhaltige Beweidung sorgt für Humusbildung, durch die so viel CO2 im Boden gebunden wird, dass es die Methanbildung wettmacht. Die humusreichen, fruchtbaren Anbaugebiete auf der Erde sind über Jahrtausende durch Beweidung großer Herden entstanden! Jede Tonne Humus, die im Boden gebildet wird, speichert 1,8 Tonnen CO2 aus der Atmosphäre!  Weidende Wiederkäuer sind zudem keine Nahrungskonkurrenten für die Menschen!

-          Der Treibstoffverbrauch für den enormen Verkehr, den die globalisierte Landwirtschaft erfordert, sowie für Landmaschinen trägt neben der Energie für Trocknung, Verarbeitung und Verpackung ebenfalls zur Klimaerwärmung bei.

-          In der sog. Massentierhaltung werden weltweit etwa 50% der Weltgetreideernte und ein Großteil der Sojaproduktion verfüttert. In Deutschland stammen mehr als zwei Drittel der bei der Lebensmittel­erzeugung entstehenden klimaschädlichen Gase aus Tierprodukten.

 

Zur unabdingbaren Begrenzung der Erderwärmung fordern wir eine deutliche Reduktion der durch die Agrarindustrie und ganz besonders die Tierproduktion verantworteten Treibhausgasemissionen!

 

Mit folgenden Instrumenten lässt sich dieses Ziel erreichen:

 

-          Abholzung von Naturwäldern und Umwandlung von Naturland zu Ackerland müssen durch Gesetze und wirksame Strafen gestoppt werden. Landgrabbing sowie der internationale Handel mit klimafeindlich erwirtschafteten Gütern muss verringert bzw. unterbunden werden.

-          Die Nutzung fossiler Energien muss mit einer Klimasteuer belegt werden.

-          Für synthetischen Stickstoffdünger muss besonders wegen der extrem schädlichen Lachgasemissionen eine Klimasteuer erhoben werden.

-          Kraftfutterimporte sind zu besteuern oder zu unterbinden.

-          Ökologische Landwirtschaft und nachhaltige Weidehaltung müssen so gefördert werden, dass sie für Bauern attraktive, verlässliche Wirtschaftsformen sind. Nachhaltig und klimaverträglich oder gar Klima förderlich ist extensive Beweidung, sofern Weidemanagement, Weidetierarten und Tierzahlen an die regionalen Gegebenheiten (wie Boden, Klima, Niederschlägen) angepasst sind.

-          Agrarindustrielle Stalltierhaltungen sind dagegen mit einer Umweltsteuer (für Gülle-, Verkehrs- und Gesundheitsbelastung) und einer Energiesteuer zu belegen. Wegen Gesundheitsschädigung von Mensch und Tier, gravierender Tier- und Umweltbelastungen dürfen sie künftig nicht mehr zugelassen werden.

-          Der hohe Konsum von Tierprodukten ist für die Gesundheit schädlich. Der hohe Konsum muss durch einen höheren Steuersatz gedrosselt werden. Deutschland betreffend: Der ermäßigten Satz von 7% muss auf 19% angehoben werden.

-          Nicht die Erzeugung von Massengütern zum Schaden insbesondere einkommensschwacher Bürger, sondern die Qualität der gesellschaftlichen und ökologischen Gemeingüter muss ins Zentrum von Wirtschaft und Politik gestellt werden.

 

Siehe auch Petition:  https://albert-schweitzer-stiftung.de/helfen/petitionen/klimakiller-massentierhaltung

  

Quellen: http://www.weltagrarbericht.de/

                 http://unctad.org/en/pages/PublicationWebflyer.aspx?publicationid=666                                

                 http://unctad.org/en/PublicationChapters/ditcted2012d3_ch2_en.pdf

                 http://www.metropolis-verlag.de/Die-Kuh-ist-kein-Klima-Killer!/1079/book.do

                 http://www.fao.org/3/a-i3437e/index.html

                http://www.wwf.de/fileadmin/fm-wwf/Publikationen-PDF/Klimawandel_auf_dem_Teller.pdf

                http://www.fao.org/ag/againfo/resources/en/publications/tackling_climate_change/index.htm

Kontakte:

Karin Ulich, Alte Landstr. 27, D-88138 Sigmarszell, Tel.: 08389-577 E-Mail: karin-ulich (at) gmx.de

Karl Pfizenmaier, Schweizer Str. 38, 47533 Kleve, Tel.: 02821-581974 oder 0174-9806118,

E-mail: h.k.pfizenmaier (at) t-online.de


 

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