Kurzbericht zum Film

„Die Milchlüge“ - NDR 30.07.2012 von Mirko Tomic

 

Die deutsche Gesellschaft für Ernährung empfiehlt den täglichen Verzehr von Milch und Milchprodukten, so auch in den „10 Ernährungsregeln“. Doch im Interview schränkt die Vertreterin des Instituts, Antje Gahl, ein, dass dieser Rat nur für Gesunde gilt und erwähnt die Studien, die Gesundheitsgefahren wie Prostata- und Brustkrebs nachgewiesen haben.

Hartnäckig wird in der Bevölkerung und von vielen Medizinern die Auffassung vertreten, dass der Kalziumgehalt der Milch in der Jugend das Skelettwachstum fördere und im Alter der Osteoporose vorbeuge. Das passt nicht zur Beobachtung, dass gerade in Asien, wo traditionelle wenig Milch konsumiert wird, kaum Osteoporose auftritt. Dr. Bodo Malnik erläutert, warum das so ist: Viel wichtiger als der Kalziumgehalt in der Nahrung ist die Präsenz des Vitamins D, denn es sorgt sowohl für die Aufnahme des Kalziums in den Körper als auch für den Kalziumeinbau in die Knochen. Durch einen Kalzium-Überschuss in der Nahrung wird Vitamin D jedoch verdrängt. So fehlt das wichtige Regulativ für den Stoffwechsel, und der Kalziumabbau aus den Knochen verläuft ungebremst.

Doch Milch kann mehr: Auf den Überschuss an tierischem Eiweiß beim Milchverzehr können zahlreiche entzündliche chronische Krankheiten zurückgeführt werden, die oft jahrelang nicht richtig diagnostiziert werden und erst dann heilen, wenn der Verzehr von Milchprodukten eingestellt wird. Dazu gehören stark juckende Hautekzeme, schmerzhafte Magen-Darmerkrankungen, Rheuma, Asthma und, wie eine Untersuchung in Island belegte, zu Brust- und Prostatakrebs, wenn in der Pubertät viel Milch verzehrt wurde. Denn Milch enthält Wachstumshormone, die dem Säugling und Kleinkind entsprechende Impulse geben, später aber schaden können.

Doch die Industrie hat andere Sorgen. Die Milchproduktions-Maschinerie läuft auf vollen Touren, es werden Überschüsse produziert und billig verramscht. 30 Milliarden Liter Milch sollen jährlich verkauft werden, das rechtfertigt einen Werbeetat von 300 Millionen € jährlich für Milchprodukte. Sie lässt keinen Zweifel an der Unentbehrlichkeit der Milchprodukte für eine gesunde Ernährung und ist allgegenwärtig. Immerhin hat sie für einen stetig wachsenden Absatz gesorgt und die Deutschen mit einem Verbrauch von 85 kg Milch je Einwohner zum Weltmeister gemacht!

Der Wahn nach niedrigen Preisen kostet viele Milchbauern die Existenz. Alleine dieses Jahr werden 3000 bis 5000 Bauern aufgeben müssen. Andere suchen ihr Heil in der Vergrößerung des Bestandes. Die Schulden durch den Bau moderner, automatisierter Laufställe zwingen sie zu immer weiteren Intensivierungsmaßnahmen. Aus 50 Kühen wurden 100, aus 100 Kühen werden 200. Auf die Weide kommen viele Kühe nicht mehr, weil sie dann mehr Gras und weniger Getreide aufnehmen, also weniger Milch produzieren.

Die Hauptlast tragen jedenfalls die Kühe, denn sie werden als Milchfabrik missbraucht. Eine Kuh muss heute die zwei- bis dreifache Milchmenge liefern wie vor wenigen Jahrzehnten. Das ist nur möglich durch eine einseitige Zuchtauswahl, den Zwang zu jährlicher Kalbung und eine nicht artgerechte Fütterung mit großen Mengen an Getreide, die etwa die Hälfte ihrer Nahrungsration ausmacht. Kühe sind jedoch Raufutterverwerter, sie bleiben gesund, wenn sie mit Gras und Heu ernährt werden. Das Übermaß an Getreide hat schlimme Folgen: Es führt häufig zur äußerst schmerzhaften Labmagendrehung (in Deutschland bisher etwa 5% der Kühe betroffen, in Amerika 20%!), die ohne Operation tödlich ist. Darüber hinaus leiden Kühe unter Leberschäden, Klauenerkrankungen, Euterentzündungen, Fruchtbarkeitsstörungen. Der zerstörerische Leistungsdruck ist so hoch, dass das Durchschnittsalter auf vier Jahre gesunken ist. Karin Ulich

http://www.ndr.de/ratgeber/verbraucher/lebensmittel/minuten577.html

 

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