Tier & Mensch e.V.

Elefanten-Tag in Chitwan (Nepal)

von Jacqueline Majumder

Chitwan ist das Dschungelgebiet in Nepal. Dort leben asiatische Elefanten. Einige haben das Glück, noch wild im Nationalpark ihr Leben zu genießen. Die Gezähmten aber müssen schwer für die Menschen arbeiten. Aufgrund der fehlenden Bildung der Mahuts (das sind die Elefantenführer) werden sie oft falsch behandelt, misshandelt und bis ans Limit getrieben. Jedes Jahr gibt es tödliche Attacken auf Mahuts, die es übertrieben haben.
Die Elefanten müssen vier bis fünf Mal am Tag Touristen auf hölzernen Sänften in den Urwald schaukeln, in glühender Hitze. Es gibt kaum zu Fressen zwischendurch, nichts zu Trinken, dafür oftmals Schläge.
Einmal am Tag werden sie zum Fluss geführt, zum Baden. Das wäre eine schöne Pause für die Tiere, aber auch diese ist ihnen nicht vergönnt. Denn Touristen erwarten das Schauspiel, und die Mahuts brauchen das Geld. So müssen die Dickhäuter sogar im Wasser Urlauber ertragen, die über Rüssel und Kopf hinauf klettern und vor Spaß quietschen, wenn der gestresste Elefant nun seine Kunststückchen vorführen muss: Wasserpusten, Hinknien, Aufstehen, zur Seite fallen, Touristen abschütteln. Nach 20 Minuten ist die "Badepause" beendet. Die Tiere werden mit scharfkantigen Steinen abgeschrubbt. Die Mahuts kümmert es nicht, wie schmerzhaft und Haut verletzend diese Prozedur ist. Viele Elefanten haben Hautpilz und "Schrubb-Wunden". Futter und Wasser gibt es erst abends, wenn sie wieder angekettet in ihren Verschlägen stehen.
Als Gegenveranstaltung organisierten wir den "Happy-Hatti-Day" ("Glückliche-Elefanten-Tag "). Nach einiger Überzeugungsarbeit erklärten sich 10 Mahuts bereit, an diesen "Mahut-Olympic-Games" teilzunehmen. Sinn der Spiele war: Mahuts könnten ihre Kräfte gegeneinander messen in sportlichen Disziplinen, die der Arbeit der Elefanten teilweise nachempfunden waren. Das hieß, Kniebeugen im Wasser mit einem Kind auf dem Rücken, Wasserpusten durch einen langen Schlauch usw. Es wurde ein großes Spektakel! Dank aufwendiger Werbung kamen jede Menge Schaulustige, die mit den Mahuts fieberten. Jeder Mahut gewann: Zum einem die tief greifende Erkenntnis, was sein Elefant jeden Tag leisten muss. Außerdem gab es für jeden Teilnehmer bei einer grandiosen Siegerehrung eine Bürste zum Schrubben seines Tieres. Ich sah daraufhin kaum noch einen scharfen Stein an der empfindlichen Elefantenhaut. Am Abend saßen wir mit den Mahuts zusammen und sie hörten meinen Ausführungen über die Möglichkeiten einer tiergerechteren Behandlung aufmerksam zu. Einige Dorfbewohner planen nun begeistert den nächsten "Happy-Hatti-Day" 
Gewinner wird der Mahut sein, dessen Elefant die wenigsten Wunden hat!
Jacqueline Majumder
Reddy, der Hund aus Chitwan (Nepal)
Fast Vollmond über'm Dschungeldorf. Ich sitze draußen. Plötzlich gesellt sich ein von Wunden entstellter Hund zu mir. Liebe auf den ersten Blick! Er wurde mein Schatten - in Rot. Ich nannte ihn Reddy. Als ich nach 14 Tagen abflog, waren seine Wunden geheilt. Das Rezept hieß: Futter und Zuwendung. 
Ein Jahr später wieder dort suchte und fand ich ihn. Er erkannte mich sofort, kam freudewinselnd auf mich zugekrochen. Gekrochen! Damals war er so ein mächtiges Alpha-Tier gewesen. Jetzt war sein halber Kopf verfault und stank entsetzlich. Eiter lief aus einem Loch, dort, wo ein Ohr hingehört. Mein Herz setze aus. Alles, was ich für ihn tun könnte, war, ihn einschläfern zu lassen. Ich fand zwei Tierärzte im Dschungeldorf. Der erste wollte eine Magnesiumsulfitspritze ins Herz stoßen oder ihn ertränken. Danke, Nein! Der zweite sah in einer riesigen Strychninspritze die Lösung. Danke, Nein!
Immerhin, in seinem Täschchen gab es eine Flasche Ivermectin, ein Anti-Wurmmittel, normalerweise für Kühe, Pferde, Schafe. Reddy bekam es gespritzt. Am nächsten Morgen krochen Hundertschaften von Maden aus seinem Gehörgang. In der Apotheke kaufte ich Cortisontabletten, Betaisodona-Salbe und Ibuprofen in schwächster Dosierung. Und Gummihandschuhe. Jeden Tag kramte ich neue Insekten heraus.
Drei Tage später sprang mein Reddy fröhlich umher, alles war abgeschwollen, weder Made und Wurm inside, noch Floh und Zecke outside. (Entsprechende Medikamente hatte ich mitgebracht.) Das Ohr nahm seine ursprüngliche Form an, und er konnte damit wieder hören. Der Tierarzt hatte gutes Geld bekommen und war wieder zur Stelle, um die gleiche Menge Entwurmungsmittel noch einmal zu spritzen. Ich lehnte ab, er tat es trotzdem. Mein Hund bekam einen anaphylaktischen Schock, sein Herz blieb stehen. Er war tot, fast. Doch meine verzweifelte Herzdruckmassage wirkte. 
Ich musste bald wieder nach Deutschland zurück. Nun kümmert sich das gesamte nepalesische Lodge-Personal um meinen geliebten Hund. Sie schreiben mir per E-Mail, wie es ihm geht - und das liest sich gut. Sein Ohr ist vollkommen verheilt, er ist wieder ein Alpha-Hund und zu einer Berühmtheit geworden. Der erste Hund in Chitwan, der zweimal den nahen Tod überwunden hat. Ohne den Tierarzt mit seinem Antiwurmmittel wäre dies wohl nicht gelungen. 
Jacqueline Majumder ist Human- und Tierphysio-therapeutin /-osteopathin in Berlin
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